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Agrarministerkonferenz

Sonder-AMK: Wald nutzen oder stilllegen?

Josef koch
Josef Koch
am Montag, 16.05.2022 - 09:41

Bayerns Agrarministerin Kaniber und Waldbauern fordern Bekenntnis zur stärkeren Waldnutzung. Der WWF Deutschland widerspricht.

Waldarbeit-Harvester

Von der Sonder-Agrarministerkonferenz (AMK9) zum Wald am Montag (16.5.) erwartet sich Bayerns Forstministerin Michaela Kaniber Rückenwind und klare Weichenstellungen für eine aktive Bewirtschaftung der deutschen Wälder.

Ihrer Auffassung nach können es sich Deutschland nicht leisten, durch immer neue Nutzungseinschränkungen in Wäldern ausgerechnet den umwelt- und klimafreundlichsten aller Rohstoffe, das heimische Holz, auszubremsen. Deshalb sei es unverzichtbar, über die aktive Waldwirtschaft Verbesserungen bei der Biodiversität zu erreichen und weitere Stilllegungen von Wäldern zu vermeiden.
 

Bayern verlangt vom Bund Holzbauinitiative

Zudem müsse der Bund rasch und mit allem Nachdruck die im Koalitionsvertrag vereinbarte Holzbauinitiative auf den Weg bringen. Denn so werde das CO2 dauerhaft der Atmosphäre entzogen und klimaschädliche Baustoffe könnten zumindest teilweise ersetzt werden.

Darüber hinaus fordert die Ministerin dauerhafte und wirksame Finanzhilfen für aktive Maßnahmen der krisengebeutelten Waldbesitzer in Deutschland. So müsse der Bund, die 2023 auslaufenden Mittel aus dem Waldgipfel 2019 verstetigen und auch für die kommenden Jahre eine verlässliche Unterstützung in mindestens gleicher Größenordnung sicherzustellen. Bürokratische Hürden für die Länder müssten dabei vermieden werden. Zudem will die Ministerin bei der Agrarministerkonferenz erreichen, dass der Bund langfristig wirksame finanzielle Anreize schafft, um die Pflanzung neuer Wälder und Gehölze attraktiver zu machen und voranzubringen.


 

Wissenschaftler sehen Vorteile bei nachhaltiger Holznutzung

Max v. Elverfeldt, Vorsitzender der Familienbetriebe Land und Forst, weist im Vorfeld der Sonder-AMK eine aktuelle wissenschaftliche Studie zur Holznutzung hin. Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass die nachhaltige Forstwirtschaft und Holzernte einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

„Dass die Holzernte laut internationalen Richtlinien als unmittelbare CO2-Emission verbucht werden muss, führt zu einer Verzerrung des Waldklimaschutzes hin zu einer Speicherung in lebender und toter Biomasse. Dies vernachlässigt, dass die Holznutzung die Verwendung fossiler Brennstoffe reduziert,“ erläutert Prof. Dr. Ernst Detlef Schulze vom Max-Planck-Institut für Geochemie, einer der Co-Autoren der Studie.

Vor diesem Hintergrund müssen laut Verband alle Vorschläge aus Brüssel und Berlin, Wald aus der Nutzung zu nehmen, auf den Prüfstand. „Nachhaltigkeit statt Nutzungsverbote. Das muss der Grundsatz zukunftsgerichteter Waldpolitik sein“, so Elverfeldt.

Für Forstwirtschaftrat sind 200 Mio. € "Tropfen auf heißen Stein"

Gegen Nutzungsbeschränkungen im Wald hat sich ebenfalls der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) ausgesprochen. So drohe die Situation am Holzmarkt sich durch den im Koalitionsvertrag der Bundesregierung vereinbarten Einschlagstopp für Buchenwälder weiter zu verschärfen, warnt DFWR-Präsident Georg Schirmbeck.

Der Wald allein könne nicht alle „Klimasünden“ aus stark emittierenden Branchen ausgleichen, stellte er klar. Nachhaltig bewirtschaftete Wälder könnten aber zumindest einen erheblichen positiven Effekt bringen.

Die 200 Mio. € aus dem Bundeshaushalt für Ökosystemleistungen, mit denen Trockenschäden kompensiert werden sollen, bezeichnete Schirmbeck als „Tropfen auf den heißen Stein“. Im Vergleich zum  Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) der Bundesregierung, in das von 2022 bis 2026 rund 4 Mrd. € fließen sollen, findet er diese Summe deutlich zu gering.

WWF ist gegen stärkere Waldnutzung

Der WWF Deutschland hält dagegen der Länderforstminister für absurd, Holz zukünftig verstärkt energetisch zu nutzen. Für den Wald und das Klima sei eine verstärkte Entnahme von Holz zum Heizen fatal. Der Nutzungsdruck auf die Wälder ist nach WWF -Auffassung bereits enorm und darf durch die energetische Nutzung nicht weiter verstärkt werden.

Die Umweltorganisation fordert daher „politischen Weitblick für einen gesunden Wald“. Zudem vermisst Johann Rathke, WWF-Koordinator für Agrar- und Landnutzungspolitik das Thema Wasser bei der Sonder-AMK. „Forstpolitik und Waldbewirtschaftung müssen angesichts der Klimakrise vor allem darauf ausgerichtet sein, einen möglichst intakten Wasserhaushalt herzustellen“, so Rathke. Um das zu erreichen und engagierte Waldbewirtschaftende zu honorieren, braucht es laut WWF wirksame Anpassungen von Waldgesetz und Förderinstrumenten.

Mit Material von AgE
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