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Erneuerbare Energie

Solarenergie: 30.000 ha mit Freiflächenanlagen überbaut

Josef koch
Josef Koch
am Dienstag, 08.02.2022 - 16:25

Über weiteren Flächenbedarf beim Ausbau von Solar- und Windenergie brütet der Bund noch.

Solaranlage-Freifläche

2018 waren in Deutschland insgesamt knapp 30.000 Hektar mit Photovoltaik-Freiflächenanlagen überbaut. Allerdings verfügt die Bundesregierung über keine Angaben, in welchem Umfang diese Flächen land- und forstwirtschaftlich nutzbar wären. Das antwortete der Bund auf eine Kleine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion.

Über den möglichen weiteren Flächenbedarf verweist die Regierung auf den Koalitionsvertrag. Danach sollen bis 2030 in Deutschland 200 Gigawatt Photovoltaik-Leistung installiert werden. Die Erarbeitung des dafür erforderlichen Photovoltaik-Ausbaupfades, insbesondere zur Verteilung der Ausbauziele auf die Segmente Dachanlagen und Freiflächenanlagen, seien Gegenstand der laufenden Vorbereitungen der anstehenden Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, heißt es in der Regierungsantwort.

Nach Wochenblatt-Recherchen halten Wissenschaftler in Deutschland ein Potenzial von etwa 350.000 ha für Freiflächenanlagen für möglich, inklusive versiegelter Flächen.

Flächendaten soll Bundesnetzagentur erfassen

Keine Angaben konnte der Bund zum Flächenbedarf von Windanlagen liefern. „Die Flächenbelegung sowie die Analyse zu den Flächeneigenschaften (landwirtschaftlich oder forstwirtschaftlich nutzbar) ist abhängig von den konkreten Anlageneigenschaften sowie den konkreten Standorten der einzelnen Bestandsanlagen“, antwortet sie der AfD-Bundesfraktion. Diese Daten sollen mittelfristig im Marktstammdatenregister (MaStR) der Bundesnetzagentur gelistet sein, das sich derzeit noch im Aufbau befinde. Eine entsprechende Analyse sei perspektivisch möglich, jedoch abhängig von der entsprechenden Qualität der Daten.

Laut Bund gilt grundsätzlich, dass lediglich der Mastfuß einer Windenergieanlage sowie eventuelle Zuleitungen und Wege eine tatsächliche Versiegelung der Fläche mit sich bringen und auch bei der Nutzung einer Fläche für die Windenergie an Land noch vielfältige zusätzliche land- und forstwirtschaftliche oder naturschutzrelevante Nutzungsformen möglich sind.

In 30 Jahren über 7 Prozent der Agrarflächen verloren

Deutlich gesunken ist der Flächenverbrauch. Der gleitende Vierjahresdurchschnitt für neu in Anspruch genommene Flächen für Siedlungs- und Verkehrszwecke ist laut Regierungsantwort seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2000 kontinuierlich gesunken. So lag der Flächenverbrauch von 2016 bis 2019 bei 52 Hektar pro Tag, im Vergleich zu 129 Hektar pro Tag von 1997 bis 2000.

Der Flächenverbrauch sei nicht mit Flächenversiegelung gleichzusetzen, warnt der Bund. Zur Flächenversiegelung gebe es keine systematische Erfassung, nur Schätzungen. Erhebungen zum Anteil der Umwandlung von landwirtschaftlicher Nutzfläche in Siedlungsfläche liegen dem Bund aber nicht vor.

Wie der Antwort zu entnehmen ist, hat von 1992 bis 2020 der Anteil der landwirtschaftlichen Fläche um rund 1,4 Mio. ha oder 7,2 % abgenommen. Im Einzugsbereich von bereits verdichteten Regionen war der Rückgang relativ betrachtet deutlich stärker als in dünn besiedelten ländlichen Gebieten. Den Spitzenwert markieren kreisfreie Großstädte mit einem Minus von 21 % der Agrarfläche.

 

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