Flutkatastrophe

Soforthilfe: Kabinett beschließt Freigabe von ÖVF-Zwischenfrüchten

Josef Koch
Josef Koch
am Mittwoch, 18.08.2021 - 13:47

Voraussichtlich ab Mitte September tritt Ausnahmeregelung in Kraft.

Kleegras-Mahd-Zwischenfrucht

Bis die Landwirte, die von Unwetterkatastrophen betroffen sind, Zwischenfrüchte und Untersaaten auf Ökologischen Vorrangflächen zur Verfütterung nutzen können, dauert noch. Erstens müssen die Pflanzen nach der Getreideernte und Aussaat wachsen, zweitens müssen die rechtlichen Grundlagen geschaffen sein.

Immerhin hat das Bundeskabinett die entsprechenden Verordnungen, die Vierte Verordnung zur Änderung der Direktzahlungen-Durchführungsverordnung und der Agrarzahlungen-Verpflichtungenverordnung, heute (18. 8.) verabschiedet. Sie sollen am 17. September vom Bundesrat verabschiedet werden. Spätestens dann können die Bundesländer entsprechende Gebiete ausweisen.

Bayern hat bereits vor einigen Wochen beim Bund beantragt, auch die Futternutzung von ÖVF-Zwischenfrüchten freizugeben wird. Die Freigabe sei aber erst nach der Veröffentlichung der Änderungsverordnung im Bundesanzeiger möglich, teilt das Münchner Agrarministerium mit. Sie ist in Bayern für die Landkreise geplant, in denen nach dem Beschluss des Ministerrats vom 20. Juli 2021 staatliche Hilfsmaßnahmen angeboten werden. Das sind unter anderem die Landkreise Berchtesgadener Land, Ansbach, Neustadt an der Aisch/Bad Windsheim, Erlangen/Höchstadt, Fürth, Kitzingen, Schweinfurt und Hof.

Ausnahmeregelung bis Anfang 2022 gültig

Konkret geht es um die Zwischenfrüchte, die nach der Ernte der Hauptkultur ausgesät werden, also zum Beispiel Kleegrasgemische. Im Normalfall dürfen Landwirte diese Flächen, sofern sie als ökologische Vorrangflächen angemeldet werden, im Rahmen der EU-Agrarförderung nur für die Beweidung mit Schafen und Ziegen nutzen. Durch die Ausnahmeregelung ist dann auch eine Beweidung mit anderen Tierarten (zum Beispiel Rindern, Pferden) oder ein Schnitt für Futterzwecke möglich. Diese Regelung ist auf das Jahr 2021 beziehungsweise den Anfang des Jahres 2022 begrenzt.

Die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, aber auch Starkregenereignisse in weiteren Teilen Deutschlands, haben die Ernten landwirtschaftlicher Betriebe zerstört. In den betroffenen Gebieten kommt es dadurch vielfach zu einem Mangel an Viehfutter. Verschärft wird die Situation in vielen Betrieben zudem dadurch, dass aufgrund der schlechten Futterernten der letzten drei Dürrejahre keine Reserven vorhanden sind. Insbesondere Betriebe mit Rinder-, Pferde- oder Schafhaltung sind betroffen.

Nach Auffassung von Julia Klöckner greifen Bund und Länder den betroffenen Landwirten in den Flutregionen greifen damit pragmatisch unter die Arme. Viele berichten, dass es ihnen aufgrund der Schäden an Viehfutter fehlt. „Um sicherzustellen, dass die Tiere weiter gut versorgt werden können, habe ich gehandelt“, so die Bundesagrarministerin.  

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