Schweinekrise

Soforthilfe: Der Bund muss Schweinebauern unter die Arme greifen

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 26.11.2020 - 17:43

Wegen der akuten Krise am Schweinemarkt sehen die Länder den Bund in der Pflicht. Am Freitag findet dazu ein Videotreffen statt.

Schweinehalter-Ferkel

Im Vorfeld der morgigen Videokonferenz (27. November) von Bundesagrarministerin Julia Klöckner mit den Agrarministern der Länder zu den akuten Problemen am Schweinemarkt verlangt Landwirtschaftsminister  Till Backhaus (Mecklenburg-Vorpommern) schnelle und unbürokratische Hilfen. Nach der coronabedingten Schließung des bayerischen Schlachthofs in Vilshofen verschärft sich der Rückstau von Schweinen in Bayern. 

Da die Länder diese Hilfen nicht leisten können, sieht Backhaus den Bund in der Pflicht. Es könne nicht sein, dass zahlreiche Wirtschaftszweige wegen der Corona-Pandemie Milliardenhilfen bekämen, aber die Landwirtschaft, deren Betriebe sich ebenso unverschuldet in einer katastrophalen Situation befinden, überhaupt nicht erwähnt werde. "Die hohen Infektionszahlen und die damit verbundene Schließung von Schlachthöfen hat dazu geführt, dass sich ein gewaltiger Schlachtstau angesammelt hat.“

Zusätzliche Coronoprogramme nötig

Verschärft hat sich die Situation jetzt zusätzlich durch ASP und die Geflügelpest. Der Export von Schweinefleisch in Drittländern ist komplett zusammengebrochen. In Deutsch­land selbst sinkt die Nachfrage nach Fleisch. Den Schaden für die deutschen Schweinehalter schätzt die ISN beispielsweise aktuell auf 1,3 Mrd. Euro. Kein Tierhalter könne derzeit kostendeckend produzieren. Weder beim Schweinefleisch noch beim Geflügel oder bei der Milch“, kennzeichnet Backhaus die Situation.

Nach Backhaus Meinung seien die in Kürze ausstehenden EU-Direktzahlungen zwar die beste Liquiditäts­spritze, die die Bundesländer leisten können. Aber diese Mittel seien bei den Landwirten bereits fest gebunden und können den zusätzlichen Bedarf nicht abdecken. "Deshalb müssen auch die Landwirte von zusätzlichen Corona-Programmen profitieren“, so Backhaus.

Bundesprogramm verlängern

Neben Finanzhilfen sind auch rechtliche Grundlagen erforderlich, um die Schweinebestände abzubauen. Backhaus fordert, das 300 Millionen Euro-Programm des Bundes zur Verbesserung des Tierwohls mindestens bis Ende 2022 zu verlängern. Die Förderung sollte bereits 2021 auslaufen. Auch Bundesministerin Julia Klöckner hatte sich zuletzt immer wieder für eine Verlängerung ausgesprochen. "In der jetzigen Situation können die Tierhalter nicht an Investitionen denken. Wir brauchen ein klare Perspektive für die Zukunft. Sonst gehen mit der Wertschöpfung und Arbeitsplätze im ländlichen Raum verloren,“ befürchtet Backhaus.

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