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Hauptalmbegehung

Söder fordert leichteren Wolf-Abschuss

Hauptalmbegehung
Philipp Seitz
Philipp Seitz
am Mittwoch, 03.08.2022 - 13:52

Bayerns Ministerpräsident stellt sich bei der Jubiläumswanderung klar gegen den Wolf. Es brauche eine leichtere Entnahme.

Rottach-Egern Bayerns Ministerpräsident Markus Söder will sich für einen einfacheren Abschuss des Wolfes einsetzen. „Der Wolf gehört hier nicht her“, sagte der CSU-Politiker am Mittwoch bei der traditionellen Hauptalmbegehung des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern. „Wölfe sind nicht vom Aussterben bedroht, aber unsere Almbauern sind es bald“, pflichtete ihm Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) bei

Die Hauptalmbegehung fand in diesem Jahr zum 75. Mal statt. Die Wanderung lockt traditionell stets hochkarätige Politikerinnen und Politiker auf die Alm. Vor der Landtagswahl nutzte Söder die Wanderung, um seine Position zum Wolf klarzustellen. Der Ministerpräsident hatte zuletzt 2018 an der Hauptalmbegehung teilgenommen. Drängende Themen, die Josef Glatz, der Vorsitzende des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO) ansprach, waren unter anderem die Wolfsproblematik sowie die überbordende Bürokratie.

Hauptalmbegehung

Neben Söder und Kaniber nahmen auch Umweltminister Thorsten Glauber (FW) und Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) an der Wanderung teil. Söder betonte bei der Wanderung: „Was wir rechtlich machen können, bis an die Grenzen des Möglichen, werden wir tun, um Eure Lebens-, Kultur- und Wirtschaftsform auch weiter wertzuschätzen und zu erhalten.“

Auch Thorsten Glauber positionierte sich klar gegen den Wolf: „Wir wollen die Weidetierhaltung in Bayern auch in Zukunft erhalten. Ich will nicht, dass wegen des Wolfs auf den Almen das Licht ausgeht“, schrieb er auf Facebook. Die FFH-Richtlinie müsse vollständig im Bundesnaturschutzgesetz umgesetzt werden. „Wir brauchen die Möglichkeit für eine beschränkte Bestandsregulierung.“

Zoff zwischen Aiwanger und Kaniber

Bereits am Montag hatte Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger gefordert, dass es möglich sein müsse, den Wolf leichter abzuschießen. „Der Wolf muss zugunsten der Kuh zurücktreten, weil sonst Kulturlandschaft in Gefahr ist.“ Der Freistaat müsse sich für die Almwirtschaft einsetzen, und nicht für den Wolf. „Der hat wo anders Platz – oder eben auch nicht.“

Hubert Aiwanger (FW)

Indirekt warf der FW-Politiker seiner Kabinettskollegin Michaela Kaniber (CSU) Tatenlosigkeit vor. Wörtlich sagte Aiwanger: „Wir müssen beim Thema Wolf die Interessen der bäuerlichen Tierhaltung ernst nehmen und hier nicht ewig in Brüssel und Berlin herumdiskutieren. Also es gibt viel zu tun! Das ist heute wirklich auch ein erster symbolhafter Aufschlag, uns politisch vor die Bauern zu stellen. Nicht nur in der Sonntagsrede, sondern auch dann, wenn es ernst wird.“

Die direkte Antwort von Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber ließ nicht lange auf sich warten. Dem Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt teilte sie dazu am Montag mit, dass sie „ohne Wenn und Aber“ zu den bayerischen Weidetierhaltern stehe. „Nicht ohne Grund haben mich auf den sozialen Netzwerken viele Anfeindungen erreicht.“ Bayerns Staatsregierung handele beim Thema Wolf „bei allem Verständnis für Artenschutz sehr zielgerichtet“.

Wie sich Anfang des Jahres in Bergen im Chiemgau gezeigt habe, unternehme der Freistaat alles, so die Ministerium, um „die bestehenden Spielräume zu nutzen“. Damals hatte der Problemwolf GW2425m eine ganze Reihe an Rissen in Oberbayern verursacht. Die Regierung von Oberbayern gab den Wolf zum Abschuss frei - woraufhin sich ein juristischer Streit anschloss. Schließlich wurde der Wolf von einem Auto in Tschechien überfahren.

Es gehe jetzt um den Schutz der Weidetiere. „Eine bloße Entschädigung ist absolut keine Lösung.“ Die Ministerin nimmt dabei auch Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) in die Pflicht: „Wenn die EU und das Bundesumweltministerium hier nicht schnell handeln, zum Beispiel durch ein länderübergreifendes Monitoring und verbesserte Regulierungsmöglichkeiten, drohen langfristige Schäden, hohe Kosten und auch menschliches Leid.“

Um die Forderung einer Schutzstatusänderung noch besser begründen zu können, seien laut Kaniber belastbare Daten über den Erhaltungszustand der Wolfspopulationen nötig. Eine Bewertung des Erhaltungszustandes müsse auf lange Sicht grenzübergreifend, d.h. EU-weit je biogeografischer Region und nicht innerhalb eines jeden Landes isoliert erfolgen.

Erst im Juni 2022 hatte sich das Bayerische Kabinett mit dem Wolf beschäftigt und klare Forderungen nach Berlin und Brüssel geschickt, wie das Landwirtschaftsministerium mitteilte. Die EU und der Bund müssten demnach ihre Prioritäten unbedingt überdenken. Dort dürfe keine Zeit mehr mit Debatten darüber verloren werden, wie der Wolf zu schützen ist und wie er sich noch zahlreicher verbreiten kann". Kaniber betonte, dass sich der Wolf in einem dicht besiedelten Land wie Deutschland nicht grenzenlos ausbreiten dürfe. Das hatte sie auch im vergangenen Jahr bei der Hauptalmbegehung erklärt. Kaniber sagte damals: Wenn Wölfe hier Schäden verursachen, dann müssten sie „rasch entnommen werden“. Nur so könne ein Wolfsmanagement gelingen.