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Umfrage

Söder und Aiwanger verlieren an Zustimmung

Alexandra Königer
Alexandra Königer
am Mittwoch, 19.01.2022 - 17:55

Laut dem aktuellen BR-BayernTrend ist die Koalition aus CSU und Freien Wählern ohne Mehrheit.

Söder-Markus-Landtag-Regierungserklärung Klimaschutz-07_2021

Vor einem Jahr hatte die CSU noch eine absolute Mehrheit in Aussicht, zum aktuellen Zeitpunkt könnten die Christsozialen nur mit einem Wähleranteil von 36 Prozent (- 12 Prozentpunkte gegenüber Januar 2021) rechnen. Damit läge die CSU noch unterhalb der 37,2 Prozent bei der Landtagswahl 2018, als sie zweistellige Verluste hinnehmen musste. Zugleich müsste sich die CSU einen neuen oder einen zusätzlichen Koalitionspartner suchen.

Das zeigt der aktuelle BR-BayernTrend. Die Freien Wähler kämen wie vor einem Jahr auf acht Prozent, so dass das derzeitige Zwei-Parteien-Bündnis ohne Mehrheit im Landtag wäre. Zweitstärkste Partei blieben in Bayern die Grünen, die in der Sonntagsfrage mit 16 Prozent (- 3) aber schlechter abschneiden als vor einem Jahr. Erkennbar besser läge die SPD mit 14 Prozent (+ 7), ebenso die AfD mit zehn Prozent (+3). Verbessern könnten sich auch die Liberalen, die mit 7 Prozent (+ 4) sicher im Landtag vertreten wären.

Zufriedenheit mit der bayerischen Staatsregierung sinkt

Die Zufriedenheit mit der bayerischen Staatsregierung ist im Jahresverlauf deutlich gesunken. Äußerten sich im Januar 2021 noch 70 Prozent zufrieden mit der Arbeit des Kabinetts, ist es aktuell nur gut die Hälfte (54 Prozent). 44 Prozent der Wahlberechtigten sind unzufrieden. Das dürfte auch an dem alles dominierenden Thema Corona liegen: Mit dem aktuellen Krisen-Kurs der bayerischen Staatsregierung ist weniger als die Hälfte der Wahlberechtigten (47 Prozent; -  13 gegenüber Januar 2021) zufrieden, 52 Prozent  (+ 13) sind es dagegen nicht. Damit findet das Agieren der Staatsregierung in der Corona-Krise erstmals keine mehrheitliche Unterstützung in der Bevölkerung.

Wie die Landesregierung kann auch Ministerpräsident Markus Söder an die Popularität von vor einem Jahr nicht anknüpfen, er verliert zehn Prozent. Mit einem Zuspruch von derzeit 55 Prozent reicht der CSU-Regierungschef zugleich ebenso wenig an die Zustimmungswerte heran, die er in Bayern im September letzten Jahres und damit vor der Bundestagswahl erzielte (63 Prozent). Söder liegt damit nur noch knapp vor Landtagspräsidentin Ilse Aigner (52 Prozent; -4). Noch größer als beim CSU-Regierungschef fällt der Sympathieverlust bei seinem Stellvertreter im Kabinett, Hubert Aiwanger, aus. Der Wirtschaftsminister und Freie-Wähler-Chef überzeugt nach 54 Prozent zu Beginn des vergangenen Jahres aktuell nur noch jeden dritten Wahlberechtigten (36 Prozent; - 18).

Grüne als größte Oppositionspartei können nicht profitieren

Von der Ansehensschwäche der Koalitionsparteien können die Grünen als größte Oppositionspartei nicht profitieren. Äußerte sich zu ihrer Arbeit im Januar letzten Jahres noch knapp die Hälfte der Wahlberechtigten (47 Prozent) positiv, sind es aktuell 37 Prozent. Mit einem Zuspruch von 38 Prozent (+ 8) kann sich die SPD im Urteil der Wahlberechtigten dagegen verbessern, ebenso die Liberalen, zu denen sich jeder Dritte (32 Prozent; + 8) positiv äußert. Kaum verändert zum Vorjahr wird die Oppositionsleistung der AfD nur von jedem Achten (12 Prozent; + 3) zustimmend bewertet.  

Zuletzt hatte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nach Kritik auch in der eigenen Partei einen moderateren Corona-Kurs eingeschlagen, sprach von „Augenmaß“ und „Freiheitsphilosophie“. Und er hat angekündigt, die Stammwähler, darunter Landwirte, wieder mehr in den Blick zu nehmen. „Wir werden uns für familiengeführte Betriebe in der Landwirtschaft ganz besonders einsetzen“, sagte er bei einem virtuellen CSU-Neujahrsempfang. Außerdem wolle er vor der Landtagswahl 2023 die „Teams optimal aufstellen“, zuletzt sprach er vom „Verfeinern“ - ein möglicher Hinweis auf eine Kabinettsumbildung, über die schon länger spekuliert wird. Neben den Stammwählern will er sich gleichzeitig um die „neue soziale Mitte" und die „Jüngeren, Digital-Urbanen und auch Intellektuellen“ kümmern. Das klingt nach einem Spagat, von dem er wohl auch das Kernklientel überzeugen muss, das zuletzt über den modernen und grünen Kurs des Parteichefs geklagt hatte.