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So wollen die Grünen Landwirtschaft umbauen

Josef koch
Josef Koch
am Montag, 29.08.2022 - 16:05

Klausurtagung des Bundesvorstands beschließt besseres Wassermanagement. Flächengebundene Tierhaltung, Humusaufbau und Waldstilllegung sind die Maßnahmen.

Özdemir-Cem

Die Klausurtagung des Bundesvorstands der Grünen (29./30.8.) steht unter dem Eindruck des Dürresommers 2022, und der bevorstehenden Landtagswahl in Niedersachsen. Das erklärt auch den Tagungsort Laatzen bei Hannover.

So hat der Bundesvorstand der Partei beschlossen, das Wassermanagement in der Landwirtschaft verbessern zu wollen. Zusammen mit Landwirtinnen und Landwirten wollen die Grünen an Alternativen arbeiten, heißt es in ihrem Grundsatzpapier. Ziel müsse sein, so der Parteivorstand, „die winterlichen Niederschläge länger in der Fläche zu halten und so die Grundwasserneubildung zu steigern“.

Für Gisela Sengl, Agrarsprecherin der Grünen im Bayerischen Landtag, machen die aktuellen bayerischen Ernteergebnisse klar: „Wenn wir jetzt nichts Grundlegendes in der Landbewirtschaftung verändern, wird das Risiko von Ernteausfällen mit jedem Jahr steigen.“

Weite, standortangepasste Fruchtfolgen als Ziel

Daneben setzen die Bundesgrünen auf weniger Tierhaltung, die flächengebunden sein soll, ein Ausweiten des Ökolandbaus und eine klimaschonende Landwirtschaft zusammen mit Moorschutz. Eine klare Aussage zur Kombihaltung von Rindern ist in dem Beschlusspapier aber nicht zu finden.

Auch den Flächenverbrauch und -versiegelung will die Partei verringern. Das ist grundsätzlich aber nichts Neues. Entsprechende Ziele dazu stehen auch im Koalitionsvertrag der Ampelregierung.

Interessanter sind aber Details zur Wassernutzung und zur Waldpolitik. So kann aus Sicht der Grünen die Bewässerung landwirtschaftlicher Nutzflächen keine Alternative zum Anbau standortangepasster Nutzpflanzenarten und -sorten sein. Die Bewässerung müsse dort, wo sie im Einzelfall erforderlich sei, mit effizienter Bewässerungstechnik durchgeführt werden. Unterstützen wollen die Grünen eine standortangepasste Bewirtschaftung, die durch geeignete Arten- und Sortenauswahl, weite Fruchtfolgen, gezielten Humusaufbau oder Mischkulturen auch bei starker Trockenheit bestmögliche Erträge sichert. Dazu soll auch mehr Geld in Forschung fließen.

Mindestens 5 % Wald stilllegen

In der Waldpolitik hat sich die Partei die Novelle des Bundeswaldgesetzes auf die Fahnen geschrieben. Naturnahe und artenreiche Mischwälder aus heimischen Baumarten sind aus Grünensicht widerstandsfähiger gegen die Folgen der Klimakrise als Monokulturen. In einer neuen Waldstrategie sollen daher die Entwicklung gesunder, klimaresistenter Waldökosysteme gefördert werden. Die Waldbauförderung muss sich stärker an den Ökosystemdienstleistungen der Wälder für Klima, Wasserhaushalt und Artenvielfalt orientieren. Einen Entwurf hat Bundesforstminister Özdemir dazu schon vorgelegt, allerdings fehlen noch Details zur Umsetzung, monieren die Waldbauern. Gleichzeitig sollen die Entwässerungseinrichtungen im Wald und auf den landwirtschaftlichen Flächen „behutsam“ zurückgebaut werden. Mindestens 5 % des deutschen Waldes wollen die Grünen der Natur überlassen. “So schaffen wir die Urwälder von morgen“, ist sich der Bundesvorstand sicher.

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