Tierseuche

Schweinepest: Schon in erster Julihälfte eingeschleppt

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 01.10.2020 - 14:23

Der Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest wird noch länger dauern. Denn die Einschleppung fand schon viel früher statt als Anfang September.

Afrikanische Schweinepest-Sperrbezirk

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) grassiert offenbar unbemerkt schon deutliich länger in Deutschland als es der erste Fund des toten Wildschweins vermuten lässt. Wie Untersuchungen des Friedrich-Loeffler-Instituts ergaben, muss als  Seucheneinschleppungszeitpunkt in der ersten Juli-Hälfte angenommen werden.

Das teilte heute Anna Heyer-Stuffer, Leiterin des Landeskrisenstabes in Brandenburg öffentlich mit. Der Landeskrisenstab in Potsdam wurde bereits 25. September darüber informiert. 

Aufgrund der verstärkten Fallwildsuche nach dem ersten bestätigen ASP-Fall wurden zahlreiche weitere Kadaver gefunden, die alle beprobt werden. Darunter waren bisher vier Skelette ohne Gewebe, die am 18./19. September im Hotspot Dorchetal im Südwesten von Neuzelle (Oder-Spree) gefunden wurden. In der ersten epidemiologischen Ausbruchsuntersuchungen teilte das FLI dem Landeskrisenzentrum-ASP in der vergangenen Woche mit, dass diese vier Kadaver schätzungsweise circa 8 bis 10 Wochen am Fundort gelegen haben mussten, bevor sie entdeckt wurden. Das deutet auf eine Einschleppung in der ersten Julihälfte hin.

Heyer-Stuffer Anna-Brandenburg

Die Leiterin des Krisenstabs geht daher davon aus, erst am Anfang dieser Tierseuche zu stehen. "Wir müssen uns im Kampf gegen die ASP auf einen langwierigen Prozess einstellen", so Heyer-Stuffer.

Die systematische Fallwildsuche ist notwendig, um die tatsächliche Ausdehnung des Infektionsgeschehens genau ermitteln zu können. Alle weiteren Maßnahmen könnten nur dann nachhaltig und wirkungsvoll umgesetzt werden, wenn man das wirkliche Ausmaß kenne. "Hier machen wir große Fortschritte", so die Staatssekretärin im Vercherschutzministerium.

Das Kerngebiet um Sembten und Neuzelle wurde bereits mehrmals durchsucht. Es handelt sich hier um zum Teil unwegsames Gelände. Der Krisenstab erwartet noch weitere Kadaverfunde. Außerdem wird laut Kristenstab das gefährdete Gebiet abgesucht. Unterstützt werden die Landkreise vom Landesforstbetrieb, vom Technischen Hilfswerk, von der Bundeswehr sowie von den ortsansässigen Landwirten und Jägern. Neben Drohnen suchen Menschenketten das Gelände ab. Außerdem wollen das Saarland und Thüringen Brandenburg mit Hundestaffeln unterstützen.

Weiße Zone um Kerngebiet- Vorbereitung kurz vor Abschluss

Das Landeskrisenzentrum in Potsdam bereitet mit den Krisenstäben der Landkreise Oder-Spree, Spree-Neiße und Dahme-Spreewald die Einrichtung einer sogenannten „Weißen Zone“ um das erste Kerngebiet „Sembten/Neuzelle“ vor.

Diese Weiße Zone ist ein mindestens 5 Kilometer tiefer Streifen um das Kerngebiet und hat eine Fläche von mehr als 200 Quadratkilometern. Diese Zone wird mit festen, schwarzwildsicheren Zäunen gesichert. Die Länge des äußeren Zaunes beträgt circa 50 Kilometer, die des inneren Zaunes circa 40 Kilometer. Die Vorbereitungen zum Zaunbau stehen kurz vor dem Abschluss. Sobald diese Weiße Zone mit festen Zäunen gesichert ist, sollen darin die Wildschweine stark reduziert werden.

Neues Kerngebiet ab morgen komplett eingezäunt

Nachdem am 29. September der erste amtliche ASP-Verdachtsfall im Landkreis Märkisch-Oderland festgestellt wurde, hat dort der Krisenstab seine Arbeit aufgenommen. Der Fundort liegt im Ortsteil Bleyen unmittelbar an der deutsch-polnischen Grenze und 80 km von Mecklenburg-Vorpommern entfernt.

Der Landkreis Märkisch-Oderland hat heute, (1.10.) die Tierseuchen-Allgemeinverfügung veröffentlicht, die morgen in Kraft tritt. Mit dieser Tierseuchen-Allgemeinverfügung wird das gefährdete Gebiet sowie konkrete Maßnahmen bestimmt. Um den Fundort ist ein Kerngebiet mit einem circa Drei-Kilometer-Radius eingerichtet. Es soll bis morgen vollständig mit elektrischen Weidezäunen eingezäunt sein.