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Soforthilfe

Schweinekrise: Bayern übernimmt Beiträge für Tierseuchenkasse

Josef koch
Josef Koch
am Mittwoch, 15.12.2021 - 18:53

Auf dem Branchengipfel kündigen Söder und Kaniber Hilfen für Ferkelerzeuger an. Bund soll weitere Hilfen beschließen.

Kaniber- Söder- Bayerischer Branchengipfel Schweinemarkt

Angesichts der derzeit sehr angespannten Marktsituation in der Schweinehaltung wird die Staatsregierung im nächsten Jahr die Beiträge zur Tierseuchenkasse für die Ferkelerzeuger in voller Höhe übernehmen. Das haben Ministerpräsident Dr. Markus Söder und Agrarministerin Michaela Kaniber am Mittwoch beim Branchengipfel in der Staatskanzlei in München bekanntgegeben. Offen ist bisher noch, ob auch kombinierte Betriebe mit Ferkelerzeugung und Mast von der Entlastung profitieren. Zu dem Treffen waren die Spitzen aus Erzeugung, Verarbeitung und Lebensmittelhandel eingeladen.

Zusätzlich können Zuchtsauenhalter voraussichtlich ab Mitte 2022 über das neue Bayerische Programm Tierwohl (BayProTier) mit Unterstützung rechnen. Derzeit wartet das Ministerium noch auf die Genehmigung aus Brüssel. Zunächst sind 6 Mio. € Fördergelder eingeplant In den Folgejahren kann die Summe laut Kaniber auf bis zu 50 Mio. € anwachsen. Damit will Bayern die Bauern beim Umbau ihrer Ställe unter die Arme greifen, weil bisher konkrete Maßnahmen der Ampel-Regierung fehlen.

Nationales Hilfsprogramm gefordert

Daneben verlangen die Teilnehmer des bayerischen Branchengipfels von der neuen Bundesregierung, vor allem für die dringend notwendigen Anpassungen im Bau- und Immissionsschutzrecht zu sorgen. Agrarministerin Kaniber fordert vom Bund zudem ein nationales Hilfsprogramm für den Schweinemarkt. „Sonst führen Initiativen in anderen EU-Mitgliedstaaten wie jetzt in Polen in der angespannten Lage zu zusätzlichen Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten unserer Schweinehalter“, warnt sie. Polen hat kürzlich ein Hilfspaket von umgerechnet 87,1 Mio. € für Ferkelerzeuger angekündigt.

Daneben plant der Freistaat eine Vermarktungsplattform für das heimische Qualitätssegment, damit Angebot und Nachfrage zukünftig noch besser zusammenfinden.

Bayerns Bauernpräsident Walter Heidl wertet die Übernahme der Tierseuchenkassenbeiträge in 2022 als einen konkreten Beitrag zur Kostenentlastung. „Aber der BBV erwartet, dass noch weitere flankierende politische Maßnahmen zur Unterstützung der Schweinehalter zügig auf den Weg gebracht werden,“ so Heidl.

Aiwanger empfiehlt Corona-Hilfen

Aiwanger-Hubert-Freie Wähler

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger empfahl den Schweinehaltern auf dem Branchengipfel, kurzfristig Corona-Hilfen in Anspruch zu nehmen. Mehrere hundert Schweineerzeuger haben die Überbrückungshilfe bereits beantragt, 200 Betriebe haben bereits ihr Geld bekommen. „Das kann den Schaden wenigstens etwas mildern,“ so Aiwanger.

Die Überbrückungshilfe muss von sogenannten „Prüfenden Dritten“ wie Steuerberatern beantragt werden und wird aus Bundesmitteln finanziert und von der IHK für München und Oberbayern abgewickelt. Dazu muss ein Corona-bedingter Umsatzeinbruch des Betriebes von mindestens 30 Prozent im Vergleich zu 2019 nachgewiesen werden. Aktuell sind die Überbrückungshilfen bis 31. März nächsten Jahres verlängert.

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