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Schweinekrise

Schweinehalter übergeben Brandbrief an Grüne und CDU

Josef koch
Josef Koch
am Montag, 05.09.2022 - 10:53

Baden-Württembergs Tierhalter fordern längere Übergangsfristen und Bekenntnis zur Schweinehaltung.

Brandbrief_Baden-Württemberg

Baden-Württembergs Schweinehalter haben einen Brandbrief an die Landespolitiker Martin Hahn (Grüne), Vorsitzender des Ausschusses für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, und CDU-Agrarsprecher Klaus Burger übergeben.

„Die dauerhafte Belastung unserer Schweinehalter ist nicht mehr tragbar“, erklärt der Vizepräsident des Landesbauernverbandes (LBV) und Präsident des Schweinezuchtverbandes Hans-Benno Wichert. „Jeden Tag schließen Berufskollegen die Stalltür, weil sich die Tierhaltung finanziell nicht mehr rechnet.“

Unterstützung für regionale Tierhaltung gefordert

Die Kosten für Futter, Energie, Dünger und Pflanzenschutzmittel sind in die Höhe geschossen, die Umsetzung von kostenintensiven Auflagen für Schweinehalter nehmen immer mehr zu – das führt zu massiven Problemen auf den baden-württembergischen Familienbetrieben.

„Eine Marktnormalisierung ist vorerst nicht absehbar. Die Erzeugerpreise sind weiterhin nicht kostendeckend“, zeigte Wichert auf. „Wir brauchen jetzt ein handfestes Bekenntnis und eine entsprechende Unterstützung der Politik zur heimischen Landwirtschaft und zur regionalen Tierhaltung.“

 

Das fordern die Bauern

Der Brandbrief enthält sechs konkrete Forderungen, die für die Fortführung der regionalen Schweinehaltung unabdingbar sind:

  1. So fordern die Schweinehalter ein „Stand Still“ und längere Übergangsfristen hinsichtlich höherer Gesetzesauflagen, solange die offenen Fragen, beispielsweise im Bau- und Genehmigungsrecht, nicht gelöst sind.
  2. Zudem verlangen sie ein klares Bekenntnis zur heimischen Schweinehaltung. Notwendig ist die zeitnahe und vollumfängliche Umsetzung der Empfehlungen des Kompetenznetzwerks Nutztierhaltung (Borchertplan) verbunden mit der Sicherstellung einer angemessenen und langfristig abgesicherten Finanzierung und Erleichterungen im Genehmigungs- und Baurecht.
  3. Um die heimische Produktion zu stärken und Transparenz für den Verbraucher zu schaffen, braucht es dringend eine verbindliche Herkunftskennzeichnung (5D), die alle Stufen der Produktion umfasst und auch für Verarbeitungsware gilt.
  4. Betrieben, die bereit sind sich weiterzuentwickeln, muss der Zugang zu Fördermitteln erleichtert werden.
  5. Damit Betriebe ohne Perspektive in der Schweinehaltung neue Betriebskonzepte umsetzen können, muss eine Umnutzung ehemaliger Schweineställe unbürokratisch möglich sein.
  6. Das Land muss sich dafür einsetzen, dass zumindest in den Landeskantinen ein höherer Anteil der Zutaten aus regional erzeugten Lebensmitteln stammt und dies auch erkennbar ist.

Neben der Politik ist auch der Lebensmitteleinzelhandel gefordert. „Der Handel muss den Verlust der Schweinehaltung im Land durch Erzeugerpreise abwenden und sich klar zu 5xD positionieren“, fordern die beiden Bauernverbandsvertreter Wichert und Erwin Heckler, Mitglied im BHLV-Fachausschuss Vieh und Fleisch. „Vor allem die Ferkelzüchter brauchen dringend ein positives Signal.“  

Nur 1700 Schweinehalter in Baden-Württemberg

Es gibt laut Statistischem Landesamt (Mai 2022) nur noch 1.700 schweinehaltende Betriebe, darunter 700 Ferkelzüchter in Baden-Württemberg. In den vergangenen Jahren hat diese Sparte einen regelrechten Strukturbruch erlebt, die Anzahl der Betriebe mit Ferkelzucht hat innerhalb eines Jahres (2021-2022) um 9,6 Prozent abgenommen.

Der Schweinebestand ist ebenfalls deutlich rückläufig. Gegenüber Mai 2021 wurden rund 154.500 Schweine weniger gezählt, das entspricht einer Abnahme um 10,2 Prozent. Beim Ferkelpreis Baden-Württemberg bräuchten die Betriebe 80 bis 110 Euro je Ferkel anstatt den momentanen 55,60 Euro je Ferkel. Der Schlachtschweinepreis liegt bei 2,05 Euro/kg Schlachtgewicht und ist laut LEL Schwäbisch Gmünd momentan kostendeckend. Aber nur, weil die Ferkelpreise viel zu niedrig seien. Der Selbstversorgungsgrad mit Schweinefleisch liegt in Baden-Württemberg nur noch bei 45 %.