Schweinehalter sehen positives Signal

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Alexandra Königer
Alexandra Königer
am Freitag, 17.09.2021 - 11:16

Das Signal des Branchentreffens ist bei den Schweinehaltern angekommen. Doch an ihrer dramatisch bedrohlichen Situation hat sich nichts geändert und so fordert die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands weiterhin eine Zukunftsprämie für die Betriebe.

Trotz gedämpfter Erwartungen geht für die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) vom gestrigen Branchentreffen mit Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) ein positives Signal aus. Für die kurzfristige Sicherung der Liquidität der Betriebe unter anderem durch die Corona-Überbrückungshilfe bis Jahresende oder Steuerstundungen sei „erfreulicherweise hier schon einiges auf den Weg gebracht“. „Wichtig ist, dass hier auch noch die aktuell bestehende Deckelung der Hilfen für die landwirtschaftlichen Betriebe erweitert wird“, erklärte ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack.

Wir brauchen Werbeaktionen für deutsches Schweinefleisch

Auch die angekündigte Initiative zur Absatzförderung begrüßte er. Bereits im Vorfeld des Treffens hatte die ISN gefordert, mit massiven Werbeaktionen den Absatz von deutschem Schweinefleisch im Lebensmittelhandel anzukurbeln. „Dabei darf der Lebensmittelhandel nicht durch politische Aussagen dafür gerügt oder gar daran gehindert werden“, betonte Staack. „Die Lager sind so voll wie noch nie, deshalb brauchen wir jetzt genau solche Werbeaktionen.“ Natürlich müssten dabei insbesondere regionale Aspekte und die Herkunft Deutschland eine entscheidende Rolle spielen – und die Aktionen nicht nur für Frischfleisch, sondern auch verarbeitete Schweinefleischprodukte gelten. Laut ISN haben direkt im Anschluss des Branchentreffens Aldi Nord und Aldi Süd mitgeteilt, in den kommenden Wochen mit zusätzlichen Schweinefleisch-Aktionsartikeln aus deutscher Herkunft den Absatz zu unterstützen. Für Staack müssen weitere Lebensmitteleinzelhändler und insbesondere auch der Großhandel hier schnell nachziehen.

Erzeuger sehen sich in einer strukturellen Krise

Hinsichtlich der mittel- und langfristigen einzuleitenden Maßnahmen waren die Vorstellungen beim Branchentreffen aus Sicht der ISN deutlich unterschiedlicher. Hier komme die unterschiedliche Betroffenheit der verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette Schwein deutlich zum Ausdruck. Während die nachgelagerten Stufen eher von einer temporären Absatzproblematik ausgehen, sehe sich die Erzeugerstufe in einer strukturellen Krise. Einhellige Unterstützung fand der Weg, der mit dem sogenannten Borchert-Plan eingeleitet wurde. „Jetzt drohen aber die Erzeuger inmitten der Transformationsphase stecken zu bleiben. Das muss mit aller Macht verhindert werden. Die Erzeuger brauchen also deutlich mehr Unterstützung bei der Umsetzung und Finanzierung“, so Staack.

Ausstiegsprämien werden breit abgelehnt

Die in die Diskussion gebrachten Ausstiegsprämien für Schweinehalter stießen beim Treffen auf breite Ablehnung. „Auch wir lehnen eine reine Ausstiegsprämie nach dem niederländischen Vorbild deutlich ab. Diese würde lediglich eine Verlagerung der Schweinefleischerzeugung in andere Staaten bewirken“, meinte Staack. „Zudem liegt bei dem holländischen Model der Fokus auf der Schließung von ganzen Betrieben. Wir haben aber hierzulande schon jetzt viel zu wenig Bauern – annähernd die Hälfte hat allein in den vergangenen zehn Jahren bereits das Handtuch geworfen. Wir haben daher eine deutlich differenziertere Zukunftsprämie ins Gespräch gebracht, durch die besonders die zukünftig weiter aktiven Schweinehalter unterstützt werden sollen“, so Staack.

Diese könne dann je nach regionaler Einordnung allerdings auch Ausstiegskomponenten enthalten, um Betrieben beispielsweise in viehdichten Regionen eine Chance auf notwendige Betriebsentwicklung zu ermöglichen. „Dies ist allerdings weniger unter dem Gesichtspunkt der Bestandsreduktion zu sehen, sondern den noch immer bestehenden, ansonsten unüberwindbaren Genehmigungshürden geschuldet.“  Staack betonte: „Weil es hier nicht voran geht, muss man überlegen, wie man alternativ vorankommt. Dabei gibt es natürlich keine Denkverbote. Eine Ausstiegsprämie würde in den Intensivregionen bedeuten, dass Betriebe, die sich weiterentwickeln wollen, so den nötigen Platz für ihre betriebliche Entwicklung bekommen, weil andere die den Transformationsprozess nicht mitgehen wollen, durch eine definitive Betriebsaufgabe den Platz dafür schaffen.“ Unter dem Strich gehe es darum, die Stallbaubremse zu lösen und den ins Stocken geratenen Transformationsprozess wieder anzuschieben. Ganz wichtig sei hierbei das Gesamtkonzept – beispielsweise neben der auskömmlichen Finanzierung der Mehrkosten die gleichzeitige konsequente Herkunftskennzeichnung für alle Schweinefleischprodukte.

Der Artikel stützt sich auf eine Pressemeldung der ISN - Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands e.V.