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Marktmisere der Schweinehalter

Schweinehalter brauchen Planungssicherheit

Klartext zur Schweinehaltung: Auf dem Häringshof diskutierten (v. l.) Barbara Scharl, Christine Singer, Michaela Kaniber Johannes Scharl und Markus Söder.
Sepp Kellerer
Sepp Kellerer
am Dienstag, 24.01.2023 - 17:23

Auf dem Häringshof bei Eichstätt haben Schweinehalter Markus Söder und Michaela Kaniber ihre Situation geschildert. Die Botschaft ist angekommen, so das Fazit von Betriebsleiter Johannes Scharl.

Ministerpräsident Dr. Markus Söder hat Wort gehalten. Bei der Landesversammlung des Bayerischen Bauernverbandes hatte er versprochen, sich über die Situation der Schweinehalter zu informieren und am 23. Januar hat er dies auf dem auf dem Häringshof bei Eichstätt getan.

Zunächst gab es ein internes Gespräch mit dem Betriebsleiter und mehreren Schweinehaltern, bei dem auch die zuständige Ministerin Michaela Kaniber und Landesbäuerin Christine Singer als Vorsitzende des BBV-Landesausschusses für Tierische Veredelung teilnahmen. Das Fazit von Johannes Scharl: „Ich glaube, die Botschaft ist angekommen. Wir haben sehr detailreich und emotional geschildert, wie es uns die letzten zwei Jahre ergangen ist. Wir haben klargemacht, dass wir dringend weitere Maßnahmen und Verbesserungen benötigen und dass dies auch den Schweinen zugute kommt.“

Eine Kampagne für den Fleischkonsum

Söder erklärte nach dem Gespräch, es gebe einen ideologischen Kampf gegen die Tierhaltung und den Fleischkonsum. Unter dem Deckmantel des Klimaschutzes werde kultureller Druck ausgeübt. Man rede über Hormone im Fleisch und empfehle Hormongaben an Kinder, man diskreditiere den Fleischkonsum und empfehle Nahrungsergänzungsmittel, um Nahrungskomponenten zuzuführen, die Fleisch sowieso liefern würde.

Söder und Kaniber im Saustall

Tierhaltung
Söder
Tierhaltung
Kaniber
Sauenstall

„ Wir müssen uns gegen diese Ideologien wehren“, so Söder, „wir brauchen eine Kampagne für den Fleischkonsum.“ Für ihn spielt es dabei keine Rolle, ob Bio oder konventionell, entscheidend ist die Regionalität. Für Kantinen von staatlichen Einrichtungen gelte inzwischen die Vorgabe, dass 50 % des Angebotes regional sein müssten. Darüber hinaus gelte, dass Bayern noch sichtbarer werden müsse. Söder regte auch finanzielle Überbrückungshilfen für die Familienbetriebe an, um diese vor den Agrarheuschrecken zu schützen.

Kontrollen im Agrarressort bündeln

Aufhorchen ließ Söders Aussage, dass die Kontrollen nach der Wahl im Landwirtschaftsministerium gebündelt werden sollen, um hier klare Zuständigkeiten zu haben. Ein Schweinehalter beklagte, dass es den Kontrolleuren vor allem darum gehe, Fehler bei den Betrieben zu finden. Der Ministerpräsident scheint hier Bescheid zu wissen. Aber leider gab er seine Aussage dazu nicht zur Veröffentlichung frei. Deshalb muss es bei der übergeordneten Feststellung bleiben, die „Europarechtsregelungen sollten etwas italienischer“ gehandhabt werden.

Bayern springt in die Bresche

Für Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber sind Botschaften aus dem Bund gegen alle Tierhalter gerichtet. „Es geht nicht um den Umbau sondern um den Abbau der Tierhaltung“, sagte sie. Überall, wo der Bund nichts zustande bringe, springe aber Bayern ein. So habe man bei der Investitionsförderung die Grenze von 800 000 € auf 1,2 Mio. €. angehoben und eine Tierwohlprämie auf den Weg gebracht.

Wie für ihren Chef ist auch für sie, die Regionalität ein wichtiger Punkt Die 5 B – geboren, aufgezogen, gemästet, geschlachtet und verarbeitet in Bayern – sind für sie schon der richtige Ansatz, aber da müssten sich die Schweinemäster auch ein bisschen an die eigene Nase fassen und bayerische Ferkel kaufen statt dänischer. Die Regionalität voranbringen möchte auch Christine Singer. Sie regte an, Einrichtungen, die die Gemeinschaftsverpflegung auf regionale Beine stellen, finanziell zu fördern – zumindest beim Einstieg.“

Planungssicherheit eingefordert

Laut Scharl sind die Schweinehalter bereit, in mehr Tierwohl, zum Beispiel mehr Platz zu investieren, aber dazu brauchen sie Planungssicherheit. Und natürlich müssen diese Investitionen auch genehmigungsfähig sein, es brauche also Anpassungen im Baurecht, so Scharl und weiter: „Wir haben Söder klargemacht, dass alle diese einzelnen Punkte die Krise stark befeuern.“