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Schweinekrise

Schweinebauern fürchten eher Agrarende statt Agrarwende

Josef koch
Josef Koch
am Montag, 24.01.2022 - 16:14

Stimmung der Schweinebauern in Baden-Württemberg ist auf dem Nullpunkt. Über die Hälfte planen Ausstieg.

Ferkel_Fuetterung

In Baden-Württemberg, der Heimat von Bundesagrarminister Cem Özdemir, planen über die Hälfte der Schweinehalter einen partiellen oder kompletten Ausstieg aus der Schweinhaltung. Gründe dafür seien neben gesetzlichen Auflagen und Unwirtschaftlichkeit, mangelnde Perspektiven. Das ergab eine Umfrage des Landesbauernverbands (LBV). Die Schweinehalter haben sich in Offenen Briefen an die Politik und Vertreter von Handel und Schlachtunternehmen gewandt.

„In dieser Situation ist eine Weiterentwicklung der Betriebe unmöglich“, erklären die LBV-Vizepräsidenten Kaus Mugele und Hans-Benno Wichert. „Alle Marktbeteiligten und die Politik müssen jetzt endlich handeln, ansonsten ist Schweinefleisch aus Baden-Württemberg bald Geschichte.“ Schon heute sei der Selbstversorgungsgrad im Land nur noch bei rund 45 Prozent.

Die Situation der Ferkelzüchter und Schweinemäster ist desaströs. In der LBV-Umfrage machen die 282 Teilnehmenden, knapp 15 Prozent der Schweinehalter im Land, ihrem Unmut Luft.

Ausbau der Regionalprogramme gefordert

Die baden-württembergischen Schweinehalter sind laut Umfrage enttäuscht und ernüchtert von den leeren Versprechungen und Marketingaktionen des Lebensmitteleinzelhandels, die schlussendlich keinerlei Besserung, sondern nur noch mehr Druck auf die Erzeuger verursachen. Die Befragten haben dementsprechend jegliche Erwartung gegenüber dem Handel verloren.

„Fleischwirtschaft und die weiteren Glieder der Kette müssen jetzt auf Augenhöhe mit den Erzeugern neue integrierte Konzepte entwickeln“, erklärt Vizepräsident Mugele. Das Bekenntnis von Lebensmittelhändlern zu „5xD“ sei zwar das richtige Signal, aber: „Wir müssen unabhängiger von den Preisschwankungen der internationalen Märkte werden. Dazu müssen im Land die Regionalprogramme mit Abnahmegarantie ausgebaut werden, damit die Tierhalter mit stabilen Preisen rechnen können“, fordert Mugele.

Tierhalter fühlen sich von der Politik im Stich gelassen

In Summe fühlen sich die befragten Tierhalter von der Politik im Stich gelassen. „Die Frustration unserer Schweinehalter ist groß. Sie kritisieren politische Entscheidungen der vergangenen Jahre, die wichtige Fragen unserer Branche nicht zufriedenstellend beantworten. Es werden immer neue Anforderungen gestellt, es ist aber unklar wer diese bezahlt“, sagt Wichert.

„Wir brauchen ein klares Bekenntnis der politischen Entscheider zur Weiterentwicklung der Tierhaltung im Sinne des Borchert-Plans, bei dem die Einkommenskomponente schnellstmöglich geklärt werden muss. Zudem müssen Auflagen im Baurecht abgebaut werden, die der Weiterentwicklung der Schweinehaltung im Wege stehen, damit unsere Schweinehalter langfristig und vor allem verlässlich planen können.“

Wenn nicht endlich gehandelt wird, kommt statt der gewünschten Agrarwende, ein hartes Agrarende, so kommentiert ein an der Umfrage teilnehmender Schweinehalter die aktuelle Situation.

 

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