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Biokraftstoffe

Schulze: Rapsanbauer sorgen für Hunger und Treibhausgase

Josef koch
Josef Koch
am Dienstag, 03.11.2020 - 17:59

Umweltministerin Schulze sorgt für einen Eklat. Ihre Vorwürfe gegen Rapsanbauer bringt die Biokraftstoffbranche auf die Palme.

Schulze Svenja-Umweltministerin

Gegen den Angriff der Bundesumweltministeriin Svenja Schulze auf die deutschen Landwirte sowie Biodiesel und Bioethanol verwehrt sich der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB). Das BMU hatte gestern (2.11.)  das Gutachten des „Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen“ (WBGU) veröffentlicht und dabei die deutschen Rapsbauern und Biokraftstoffproduzenten frontal angegriffen.

Unter anderem sagte die Umweltministerin: "Würde man noch mehr Biosprit aus Raps oder Palmöl ins Benzin mischen, wäre das ein dreifacher Schaden: für die Ernährung, der dann wertvolle Ackerflächen verloren gehen; für die Natur, die durch Regenwaldrodung und Monokulturen zerstört wird; und sogar für das Klima, denn herkömmlicher Biosprit stößt in der Summe oft deutlich mehr Treibhausgase aus als fossiles Benzin und Diesel".

Hat Schulze Gutachten überhaupt gelesen?

Rapsblüte

„Das BMU hat offenbar das Gutachten nicht selbst gelesen, sonst würde es Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse nicht in den Schmutz zerren. Das WBGU-Gutachten bezeichnet den Einsatz von Biomasse zur Reduktion von CO2-Emissionen als teils unumgänglich", so Elmar Baumann, Geschäftsführer beim VDB.

Zudem sollte nach Ansicht der WBGU-Autoren die vorbildliche Nachhaltigkeitsverordnung für Biokraftstoffe sogar auf andere Bereiche ausgeweitet werden. Hierzu verliert das BMU in seinen unsubstantiierten Äußerungen kein Wort.

"Dass der Rapsanbau in Deutschland klimaschädlich sein soll, so wie es das BMU behauptet, geht an der Realität komplett vorbei“, sagte der VDB-Geschäftsführer. Durch Biodiesel aus Rapsöl werden knapp 70 Prozent weniger Treibhausgase emittiert als durch fossile Kraftstoffe. Zudem entsteht eiweißreiches Tierfuttermittel, das sonst aus anderen Weltteilen importiert werden müsste.

BMU argumentiert falsch

„Der WBGU zeigt auf, dass Landwirte auf 60 Prozent der Weltagrarflächen Futtermittel anbauen, während sie zwei Prozent für Biokraftstoffe nutzen. Die hierzulande eingesetzten Biokraftstoffe unterliegen  strikten Nachhaltigkeitsanforderungen. Trotzdem attackiert das BMU Biodiesel und Bioethanol - das ist sachlich falsch und irrational“, sagte Baumann.

Gerade Raps sei eine wichtige Pflanze, die in der Fruchtfolge einen wichtigen Stellenwert hat. „Weniger Raps auf dem Acker bedeutet weniger Vielfalt, weniger Nahrung für Bienen, engere Fruchtfolgen, weniger heimisches Futtermittel und weniger gesundes Rapsöl für die Humanernährung - also das genaue Gegenteil dessen, was der Wissenschaftliche Beirat empfiehlt“, stellt Baumann klar.

BMU will Biokraftstoffe vom Acker aus dem Markt drängen

Hintergrund für die Äußerungen des BMU anlässlich des WBGU-Gutachtens ist der jetzt vorgelegte Gesetzesvorschlag für erneuerbare Energien im Straßenverkehr. Das Ministerium will dem Entwurf zufolge Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse bis 2025 aus dem Markt drängen.

„Die Position des BMU krankt an Wissenschafts- und Realitätsferne“, sagte Baumann. Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse haben im Jahr 2018 laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung rund 6 Millionen Tonnen CO2 eingespart, die Deutschland beim Erreichen der 2030-Ziele laut VDB schmerzlich fehlen würden.