Landespolitik

Schule fürs Leben: Pipifax oder großer Wurf?

Alltagskompetenz
Alexandra Königer
Alexandra Königer
am Freitag, 22.10.2021 - 13:51

Mit einem Jahr Verzögerung können die Projektwochen „Schule fürs Leben“ starten.

Alle Schülerinnen und Schüler sollen einmal in der Grundschule und einmal in der Sekundarstufe an einer Projektwoche „Schule fürs Leben“ teilnehmen und mehr über Alltagskompetenzen erfahren. CSU und Freie Wähler (FW) feiern das als Erfolg, SPD und Grüne sprechen von einem Armutszeugnis.

Praxisorientiertes Lernen

Es gebe an den Schulen „ein großes Maß an Bereitschaft“, das Modell umzusetzen, erklärte Tobias Gotthardt (FW) in einer Aktuellen Stunde im Landtag. Die Projektwochen böten den Schülern „handfestes praxisorientiertes Lernen“ und die „Vorbereitung auf das echte Leben“.

Die Projektwochen umfassen fünf Kompetenzfelder: Ernährung, Gesundheit, Haushaltsführung, Umweltverhalten und selbstbestimmtes Verbraucherverhalten durch Exkursionen auf Bauernhöfe sowie in Handwerksbetriebe und Unternehmen. Laut Gotthardt sind dafür fast 5 Mio. € im Haushalt eingeplant. „Das bedeutet 400 Euro pro Klasse“, konterte Gabriele Triebel (Grüne).

Das Geld würden Schulklassen allein für die Buskosten für einen Bauernhof-Besuch hinlegen müssen. Sie erinnerte daran, dass ursprünglich ein eigenes Schulfach angedacht war. „Wir wollen zumindest eine Projektwoche jedes Jahr für jede Klasse“, ergänzte ihre Parteikollegin Gisela Sengl. „Das wäre echte Innovation.“ Doch dafür brauche es Zeit, Geld und Personal. „Was hier angeboten wird“, sei nicht erwähnenswert.

Für Gudrun Brendel-Fischer (CSU) ist ein 45-Minuten-Fach „kontraproduktiv für dieses Thema“, da seien sich alle Beteiligten und auch die Lehrkräfte einig. Um die nötigen Alltagskompetenzen zu vermitteln, sei „anwendungsbezogenes Lernen besser als das Ausfüllen von Arbeitsblättern“.

Lücke beim Thema Alltagskompetenzen füllen

Das sieht Margit Wild (SPD) anders. „Sich heute im Plenum für eine Projektwoche feiern zu lassen, das ist eine Bankrotterklärung“, sagte sie. Es gebe im Lehrplan keine Lücke beim Thema Alltagskompetenzen. „Für dieses Nichts gibt es nichts zu loben“, meinte sie. Mit diesem „Pipifax-Thema“ der Aktuellen Stunde lenkten die FW nur von den wahren Problemen im Bildungsbereich wie dem Lehrermangel oder dem dringenden Nachholbedarf nach den Corona-Lockdowns an den Schulen ab. Ähnliche Kritik kam von der FDP.

Kultusminister Michael Piazolo (FW) verteidigte das Konzept und warf den Kritikern vor, „sehr weit weg vom wirklichen Leben“ zu sein. Die Projektwochen im Unterricht zu verankern, das solle man nicht kleinreden. Man werde jetzt mit wenigen Wochen starten „und dann schauen, wie das ankommt“. Was den Bürokratie-Aufwand bei der Abwicklung betrifft, sagte er eine erneute Überprüfung zu.
Das dürfte die Landfrauen freuen, die parteiübergreifend großes Lob ernteten: Sie hätten mit ihrem großen Engagement maßgeblich zur Umsetzung der Projektwochen beigetragen (siehe Seite 8).