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Umsturzfantasien

„Schleich di!“: Bauerndemos vor Radikalen schützen

Der Agrarblogger und stellvertretende Kreisobmann Gerhard Langreiter
Chefredakteurin Claudia Bockholt
Claudia Bockholt
am Mittwoch, 03.01.2024 - 05:00

Am 8. Januar startet die große Aktionswoche des Bauernverbands. Durch die Sozialen Medien geistern auch Aufrufe zu Generalstreik und Sturz der Regierung.

München - Bei allem Ärger: Landwirte sollten sich in diesen Tagen nach Ansicht vieler Berufskollegen nicht vor dubiose Karren spannen lassen. In Augsburg demonstrierten laut Bayerischem Rundfunk am Wochenende in einem sieben Kilometer langen Demozug auch Bauern mit insgesamt 277 Traktoren. Aufgerufen hatte allerdings keine landwirtschaftliche Organisation, sondern das „Bürgerforum Schwaben“, das sich unter anderem den Protest gegen „Entvölkerung“, „manipulierte Medien“ und die Folgen der Corona-Maßnahmen auf die Fahnen geschrieben hat (Das Wochenblatt berichtete).

Gerhard Langreiter, stellvertretender Kreisobmann in Mühldorf am Inn und eifriger Agrarblogger (@vornerbauer), beobachtet seit Wochen sehr kritisch, welche Aufrufe durch die Sozialen Medien geistern. Besonders in Whatsapp-Gruppen würden derzeit vielfach Infos aus unbekannten und ungeprüften Quellen weitergeleitet. Manchen Nutzern, so fürchtet er, fehle einfach die Medienkompetenz, um seriöse von unseriösen Informationen zu unterscheiden. Langreiter macht sich gegen eine Vereinnahmung der Bauernproteste durch rechtsextreme Gruppierungen und speziell die AfD stark. „Landwirtschaft ist bunt nicht braun“ steht auf dem T-Shirt, das er auf seinem Profilbild trägt.

Auch Impfgegner und Klimawandelleugner bei Protesten unterwegs

Der Deutsche Bauernverband hat sich schon vor Tagen sehr entschlossen und in sehr deutlicher Wortwahl von „Schwachköpfen mit Umsturzfantasien, Radikalen sowie anderen extremen Randgruppen und Spinnern, die unsere Aktionswoche kapern und unseren Protest für ihre Anliegen vereinnahmen wollen“ distanziert. Gleichwohl ist es für Landwirtinnen und Landwirte teils schwer zu unterscheiden, wer nun wo mit welchem Hintergrund aufruft. So existiert ein Aufruf zur Kundgebung am 8. Januar am Königsplatz in München, der sich auch an Landwirte richtet, parallel zur Kundgebung des Bauernverbands am Odeonsplatz. In Nürnberg ruft ein „Team Menschenrechte“ für den 8. Januar zur Demo gegen die Bundesregierung auf: Dahinter verbergen sich Impfgegner und Klimawandelleugner.

Eine Bildcollage zeigt Bauern beim Sturm aufs Kapitol

Kritik an der Ampel ist für Langreiter ok, Umsturzfantasien sind es nicht. Auf X (ehemals Twitter) ist zum Beispiel ein Bild unterwegs, das die Bauern wie beim Sturm auf das Kapitol in Washington zeigt. Daran entzündete sich viel Kritik. Heftig gestritten wird aber auch über ein Bild, das vor allem Klimaaktivisten auf X in Umlauf brachten: Es zeigt in den Ampelfarben bemalte Puppen an einem Traktor-Galgen. Wann und wo diese Aufnahme entstand, ist völlig unklar.

Die Organisation der Bauernproteste braucht Zeit

Gerhard Langreiter rät allen, die sich unsicher sind: „Fragt bei Euren BBV-Vertretern vor Ort nach. Die wissen Bescheid.“ Er bittet auch um Geduld und um Verständnis dafür, dass die Organisation der Protestaktionen, auch die Bekanntgabe der Sammelpunkte, Zeit braucht. Er selbst wird am 8. Januar in München als Ordner am Odeonsplatz stehen. Er ermuntert alle Berufskollegen, Zivilcourage zu zeigen. Wenn er jemanden entdecken sollte, der mit verfassungsfeindlichen Kennzeichen auftritt, wird er zu ihm sagen „Schleich Di!“

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