Schlachtindustrie

Schlachtindustrie: Notfallplan für Schließungen nötig

Josef Koch Redakteur Agrarpolitik
Josef Koch
am Freitag, 24.07.2020 - 17:43

Um die Folgen von Schlachthofschließungen bei Corona-Ausbrüchen besser abschätzen zu können, empfiehlt die Geflügelwirtschaft einen Notfallplan.

Tönnies-Schlachthof-Rheda-Wiedenbrück

Die deutsche Geflügelwirtschaft schlägt der Bundesregierung vor dem Hintergrund von Schlachthofschließungen bei auftretenden Covid-19-Infektionen unter Mitarbeitern vor, zeitnah eine Projektgruppe ins Leben zu rufen, um einen bundeseinheitlichen Notfallplan zu erarbeiten. Die Bundesländer, der Deutsche Landkreistag, der Städtetag, der Städte- und Gemeindebund sowie die betroffenen Branchenverbände sollten dabei sein.

"Wir brauchen für die Zukunft einen bundesweit einheitlichen Notfallplan bei Covid-19-Infektionen unter Mitarbeitern von Schlacht- und Verarbeitungsbetrieben, mit verbindlichen Grundregeln und abrufbaren Informationen, der im Bedarfsfall als Entscheidungshilfe durch die verantwortlichen Behörden vor Ort herangezogen werden kann", empfiehlt Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V. (ZDG).

Die Entscheidung, Schlachthöfe bei vermehrt auftretenden Covid-19-Infektionen unter den Mitarbeitern temporär zu schließen, ist derzeit eine Einzelfallentscheidung der Landkreise mit großer Tragweite. Und sie stellt die einzelnen Behörden vor große Herausforderungen. "Komplette Schließungen von Schlacht- und Verarbeitungsbetrieben können zu massiven Problemen in der Ernährungssicherung und im Tierschutz führen - sie müssen regelmäßig eine Ausnahme bleiben", ergänzt Ripke. Das Beispiel der Tönnies-Schließung zeigt, wie schnell sich die Ställe füllen, wenn ein großer Schlachthof vom Netz genommen wird. 

Hier braucht es schnellstmöglich einen einheitlichen und sachgerechten Bewertungsrahmen für die Entscheidungen der zuständigen Kommunen vor Ort.

Werden Schlachthöfe geschlossen, wird auch immer ein eng auf das Tierwohl abgestimmter Kreislauf unterbrochen. Können die Tiere aufgrund nicht vorhandener Ausweichmöglichkeiten nicht geschlachtet werden, führt das zu massiven Tierschutz-Problemen und stellt auch die jeweiligen Tierhalter vor teils große Herausforderungen. Eine damit einhergehende, unnötige Verschwendung von Lebensmitteln - beispielsweise durch die erforderliche Keulung von Tierbeständen - und mögliche Versorgungsengpässe bei tierischen Lebensmitteln können die Folge sein.

Die Einstufung als systemrelevante Branche, welche Schlacht- und Verarbeitungsbetriebe explizit durch die Politik erhalten hat, gilt laut Ripke für die Ernährungssicherung genauso wie für den Tierschutz. "Der Gesundheitsschutz der Menschen und der Mitarbeiter in der Region hat oberste Priorität, der Tierschutz und die Ernährungssicherung dürfen keinesfalls zu gering oder gar nicht bewertet werden", mahnt ZDG-Präsident Ripke.

Ein bundeseinheitlicher Notfallplan sollte auf Basis fortlaufend aktualisierter Daten in einer neu zu schaffenden Datenbank erstellt werden. Wichtige Parameter können hier sein:

  • die Leistung aller deutschen Schlachtbetriebe für die entsprechende Tierart,
  • deren örtliche Lage,
  • die hergestellten Produkte und Produktionserfordernisse sowie
  • die Reservekapazitäten der Schlacht- und Verarbeitungsunternehmen

Diese Daten helfen beim Abwägen, inwieweit Schlachtmengen eines Unternehmens im Bedarfsfall durch andere Schlachtereien übernommen werden können.

Ebenso sind die Möglichkeiten gemäß Arbeitsrecht und Bundesimmissionsschutzrecht zu berücksichtigen. Zudem seien alternativ notwendige Auflagen zur Gesundheitsvorsorge festzulegen. Ebenso ist laut ZDG zu prüfen, inwieweit,  Schlachtunternehmen, eine betriebsspezifische, kontrollierte Arbeitsquarantäne sicherstellen und freiwillig Prophylaxe-Testungen von Mitarbeitern durchführen können. 

Projektgruppe zur Erarbeitung eines Notfallplans eingebunden werden. Zwingende Voraussetzung für die Erarbeitung von entsprechenden verbindlichen Regeln ist zudem die Beteiligung von qualifizierten Virologen und Umwelthygienikern. Vorbereitend sind zudem durch die Wissenschaft die Ursachen von Covid-19 Übertragungen in Schlacht- und Verarbeitungsbetrieben und deren Umfeld zu klären. "Nur wenn die Verbreitungswege sicher bekannt sind, können wir für die Zukunft auch sichere Abwehr -und Präventionsmaßnahmen etablieren", so Ripke abschließend.