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EU-Agrarreform

Schiebt Brüssel Farm-to-Fork-Strategie in den Sommer ?

Josef koch
Josef Koch
am Donnerstag, 16.04.2020 - 15:57

Wegen der Coronakrise könnte die EU-Kommission ihre Vorstellungen zur gesunden Lieferkette erst später veröffentlichen. Doch Umweltverbände sehen das kritisch.

Pflanzenschutz_Getreide

Die "Vom Erzeuger zum Verbraucher"-Strategie (Farm-to-Fork) der EU-Kommission für eine umwelt- und klimafreundliche Landwirtschaft wird möglicherweise ein weiteres Mal verschoben. Die EU-Kommission passe zurzeit ihr Arbeitsprogramm an, teilte die Behörde mit.

Krisenmaßnahmen in der Corona-Krise und ein neuer EU-Finanzrahmen könnten dabei den Vorrang bekommen und andere Vorhaben verdrängen. Die EU-Kommission deutet eine mögliche Verzögerung für die "Farm to Fork"-Strategie bis zum Sommer an. Zunächst wollte sie die Strategie Mitte März vorlegen. Jetzt steht hinter dem 29. April ein großes Fragezeichen.

Die "Farm to Fork"-Strategie (F2F) sieht unter anderem einen verringerten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und eine Stärkung des Ökolandbaus vor.

Verbraucherverbände gegen Verschiebung

Derweil verstärkt sich die politische Auseinandersetzung um den besten Zeitplan. 40 Umwelt- und Verbraucherverbände mahnten die EU-Kommission, es beim 29. April zu lassen. Die EU-Kommission sollte eine klare Perspektive geben, betonten die Verbände.

COVID-19 habe Mängel in der Landwirtschaft zutage gebracht. Lange und sehr spezialisierte Produktionsketten seien zu störungsanfällig und eine zu intensive Tierproduktion könnte zu Zoonosen führen, erklären die Verbände in einem Brief an die EU-Kommission.

Für eine Verschiebung der Strategie bis zum Sommer treten dagegen Europaabgeordnete der Christdemokraten im Europaparlament ein. Landwirte hätten jetzt anderes zu tun, als sich mit zusätzlichen Auflagen auseinandersetzen zu müssen, erklärte der italienische Christdemokrat Herbert Dorfmann im Europaparlament. Er will die Bauern nicht mit dem Green Deal und der F2F-Strategie weiter belasten.

Häusling will Strategie in Agrarreform umsetzen

Strikter Gegner einer Verschiebung ist Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen/EFA-Fraktion und Mitglied im Umweltausschuss. Seiner Meinung nach ist die Argumentation durchsichtig. In der Krise zeige sich, wie ernst die EU-Kommission es mit dem Start in eine nachhaltigere Agrar- und Umweltpolitik meine.  

"Kollege Dorfmann tut gerade so, als würden Maßnahmen, die zu mehr Nachhaltigkeit führen sollen, der Landwirtschaft schaden statt nützen, und als müsste eine F2F-Strategie schon übermorgen umgesetzt werden. Beides ist nicht der Fall", kritisiert Häusling seinen politischen Kontrahenten.

Der grüne EU-Abgeordnete räumt aber ein, dass "uns die Corona-Krise vor große Schwierigkeiten in Kommunikation und Arbeitsprozessen stellt" Und erst einmal müsse den Landwirten aus wirklich existentiellen Schwierigkeiten geholfen werden. Häusling will die F2F-Strategie aber unbedingt bei der Reform der Agrarpolitik berücksichtigt sehen. Daher drückt er aufs Tempo.

Bei der Umsetzung der EU-Ökoverordnung dagegen plädiert er für ein Verschieben um ein Jahr. Sie soll am 1. Januar 2021 in Kraft treten.

Mit Material von aiz