Lieber Leser

Schaumschläger und Markttrends

Milchaufschäumer
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Sepp Kellerer
am Donnerstag, 10.10.2019 - 09:46

Produkte verkaufen sich häufig nicht mehr über den Inhalt sondern über ihre Herstellungsweise.

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Ein Schaumschläger ist jemand, der (besonders aus Geltungsdrang) bestimmte Qualitäten oder Fähigkeiten vortäuscht, die er in Wahrheit nicht besitzt. So sagt der Duden. Und er erläutert, dass der Begriff abwertend gebraucht wird. Ihnen, liebe Leser, sind bestimmt schon solche Menschen begegnet, mir auch. Nein, ich werde jetzt nicht tiefer in diese Materie einsteigen und vielleicht in der Politik oder im agrarischen Umfeld eine Einordnung von handelnden Personen vornehmen. Das ist mir dann doch zu heiß. Denn wenn ich da zu einer anderen Sichtweise käme, als Sie, liebe Leser, aus Ihrem jeweiligen Blickwinkel, dann stünde ich am Ende selber noch als Schaumschläger da.

Den Begriff Schaumschläger finden Sie dennoch groß im aktuellen Heft und zwar verbunden mit dem Eigenschaftswort perfekt. Die Stiftung Warentest hat Milchaufschäumer geprüft und wir stellen Ihnen die wichtigsten Ergebnisse dieses Tests vor. Immerhin acht von zehn Geräten haben nach dem Urteil der Tester ihre Aufgabe gut verrichtet. Es ist ihnen also gelungen, eine bestimmte Menge an Flüssigkeit so mit Luft zu durchsetzen, dass ein deutlich größeres Volumen entsteht. Womit nun auch ganz anschaulich erklärt ist, warum der Schaumschläger einen negativen Touch hat. Er lässt die Dinge größer aussehen, als sie in Wirklichkeit sind. Warum fällt mir da jetzt wieder manche Aktivität in der Agrarpolitik ein?

Lieber zurück zu den Milchaufschäumern. Da haben die Tester auch mit fettarmer und normaler Milch gearbeitet. Ob aber gentechnikfreie Milch, Biomilch oder Heumilch besser schäumt, damit haben sie sich nicht auseinander gesetzt.

Mit diesen Produktdifferenzierungen hat sich die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft beschäftigt und bei allen genannten Marktsegmenten eine deutliche Steigerung festgestellt. Selbstverständlich muss man dabei natürlich das Ausgangsniveau berücksichtigen. Ich möchte hier dem Kollegen Rainer Königer nicht vorgreifen, aber die Kriterien für die Kombinationshaltung, die den Betrieben mit Anbindeställen wieder Luft verschafft, sind jetzt veröffentlicht und finden sich im aktuellen Heft. Und vielleicht wird damit Weidemilch auch in Bayern zur Option.

Eines sei in dem Zusammenhang noch erwähnt: Im Produkt, der Milch, sind die Unterschiede sicher nicht sehr groß, die Differenzierung am Markt erfolgt über die Produktionsweise. Und das, so glaube ich, ist nicht nur bei der Milch so.