Parteienstreit

Scharfe Kritik von Kaniber an Agrarsprecherin der Grünen

Alexandra Königer
Alexandra Königer
am Freitag, 15.01.2021 - 14:35

Auslöser ist ein Zitat Sengls nach dem sie Weizen aus Italien gegenüber konventionellem Getreide aus dem Nachbardorf vorziehe.

Mit scharfen Worten hat Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) die Agrarsprecherin der Grünen auf Facebook attackiert. Auslöser ist ein Zitat Sengls bei einer Onlinediskussion. Das Netz fragt sich: Wie passt das zusammen mit Söders Werben für eine Zusammenarbeit mit den Grünen?

Vorwurf der Scheinheiligkeit

Bayerische Landwirtschaftsministerin

Stein des Anstoßes ist dieser Satz: „Ich möchte lieber biologischen Weizen aus Italien als konventionelles Getreide aus dem Nachbardorf.“ Das sagte die grüne Agrarsprecherin Gisela Sengl kürzlich bei einem Online-Webinar mit dem Titel „Food For Future", über das der Donaukurier berichtet hatte.

Kaniber legte auf Facebook los: „Die Aussage der Grünen ist ein Schlag ins Gesicht der Landwirte. Wer konventionelle Bauern gegen Biobauern ausspielt, wer tausende Kilometer lange Massentransporte der regionalen Versorgung vorzieht, hat von moderner Landwirtschaft, von Klimaschutz und von Bayern nichts verstanden.“  Und weiter: „Scheinheiligkeit und Ideologie statt Verantwortung und Heimatliebe: So kennen wir die Grünen. Ihnen ist ja auch der Eisbecher in Kalifornien lieber als die Bayerisch-Creme in unserer Dorfgaststätte.“

Diplomatische Linie Söders verlassen

In den zahlreichen Kommentaren unter dem Post gibt es viel Applaus für Kaniber, aber auch Häme. Einer dankt Kaniber dafür, dass sie sich nicht „grün anbiedert“. Viele warnen vor einer Zusammenarbeit der Union mit den Grünen, wie sie CSU-Chef Markus Söder zuletzt immer wieder ins Spiel gebracht hat: Einen „großen Reiz“ hätte eine schwarz-grüne Koalition nach der Bundestagswahl, sie sei „aktuell das interessanteste politische Angebot“, es gehe um die „Versöhnung von Ökologie und Ökonomie“. Das sagte Söder Mitte Dezember im Spiegel. Direkt versöhnlich sind die Kommentare unter Kanibers Post nicht. Ein User bezeichnet die Grünen als „Ökoterroristen“, ein andere als „unwissende, unfähige Möchtegernpolitiker“. Wieder andere stellen sich auf Sengls Seite.

Nicht alle überzeugen Kanibers Worte: „Wenn Sonnengott Söder mit den Grünen flirtet, wirst auch du deine Meinung ändern. Oder du bekommst einen Schreibtisch neben Melanie Huml“, schreibt einer. Gesundheitsministerin Huml musste kürzlich ihren Stuhl räumen und wurde von Söder in die Staatskanzlei versetzt.

Kaniber geht es um Grundsätzliches

Wie passt nun Kanibers Post zusammen mit Söders Werben für eine Zusammenarbeit mit den Grünen?

„Wenn die landwirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen einen Vorschlag macht, der den Klimaschutz und die wertvolle Arbeit der bayerischen Bäuerinnen und Bauern mit Füßen tritt, dann muss ich da einfach deutlich widersprechen“, meint Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. „Frau Sengl untergräbt damit alle Bestrebungen, die heimische Landwirtschaft und die regionale Wertschöpfung zu stärken.“ Sie torpediere die Bemühungen, tausenden von Familien in Bayern eine sichere wirtschaftliche Zukunftsperspektive zu geben. „Solche unmöglichen Aussagen werde ich immer kritisieren, egal aus welcher Partei sie kommen.“

Und was sagt Gisela Sengl?

Grüne Bayern

Gisela Sengl bestätigt, das Zitat so geäußert zu haben. „Allerdings hätte es Ministerin Kaniber gut getan, die ganze Diskussion der zweistündigen Veranstaltung zu verfolgen“, meint Sengl.

Das Zitat sei im Zusammenhang mit dem Bienen-Volksbegehren gefallen. Ein Ziel sei, den Anteil der Ökoproduktion in Bayern zu erhöhen – und das sei eben mit regionalen Lebensmitteln nicht erreichbar. „Regional ist gut, aber nur einer von vielen Aspekten“, sagt Sengl. Man wisse zwar, woher die Produkte kommen, aber nicht wie sie erzeugt werden – anders als bei zertifizierten Bioprodukten. Das sei der Kern der Diskussion gewesen. Mit keinem Wort habe sie die konventionellen gegen die Biobauern ausgespielt. „Im Gegenteil: Ich habe auch gesagt, dass es keinen Sinn macht, die Bauern zu beschimpfen. Wir brauchen alle Bauern. Es gibt auch konventionelle Bauern, die sehr gut arbeiten, weil sie sich auf den Weg hin zu mehr Umweltschutz gemacht haben.“