Arbeitsrecht

Saisonkräfte: Längere Beschäftigungszeiten nötig

Josef Koch
Josef Koch
am Montag, 15.02.2021 - 21:00

Längere und flexiblere Arbeitsregelungen für Saisonkräfte verlangt ein Verbändebündnis. Die SPD fordert von Klöckner ein Konzept.

Saisonkräfte-Saisonarbeit

Ein breites Bündnis von Agrarverbänden fordert die Bundesregierung auf, die Grenzen für ausländische Saisonarbeitskräfte weiter offen zu halten und auch 2021 eine versicherungsfreie Beschäftigung für bis zu 115 Tage zuzulassen. Ohne die ausländischen Helfer können wichtige jetzt anstehende Arbeiten im Betrieb und auf dem Feld nicht erledigt werden. Das gefährdet letztlich die Versorgung der Bevölkerung mit frischen Lebensmitteln.

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, betont, es sei selbstverständlich, dass diese während ihrer Beschäftigung in Deutschland, insbesondere in Zeiten der Pandemie, einen bestmöglichen Gesundheitsschutz erhalten. "Um Mitarbeiter vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen, haben unsere Betriebe bereits im vergangenen Jahr weitreichende Infektions- und Arbeitsschutzmaßnahmen getroffen. Dass diese gewirkt haben, zeigt das nur geringe Infektionsgeschehen in landwirtschaftlichen Betrieben, " so Rukwied.

115-Tage-Regelung senkt Infektionsgefahr

„Zu einer Reduzierung der Infektionsgefahr hat auch die befristete Verlängerung der 70-Tage-Regelung geführt“, so Martin Empl, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Land- und Forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände. „Deshalb brauchen wir wegen der anhaltenden Pandemie auch im Jahr 2021 eine Ausweitung auf 115 Tage, um einen Anreiz zu schaffen, für eine längere Zeit in Deutschland zu arbeiten.“

„Für einen ausreichenden Krankenversicherungsschutz der versicherungsfrei beschäftigten Saisonkräfte sorgen die Betriebe durch private Erntehelferversicherungen“, ergänzt Thomas Becker, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der gärtnerischen Arbeitgeberverbände. „Darüber hinaus müssen wie im Jahr 2021 flexiblere Arbeitszeiten ermöglicht werden.“

Dem Bündnis haben sich folgende Verbände angeschlossen: Arbeitsgemeinschaft der gärtnerischen Arbeitgeberverbände e.V., Bundesausschuss Obst und Gemüse,  Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse e.V., Deutscher Bauernverband e.V., Deutscher Raiffeisenverband e.V., Gesamtverband der Deutschen Land- und Forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände e.V., Zentralverband Gartenbau e.V.

SPD: Klöckner muss praxisfähiges Konzept vorlegen

Ein Konzept für die Beschäftigung von landwirtschaftlichen Saisonarbeitskräften fordert die SPD-Bundestagsfraktion von der Bundesregierung. „Wir brauchen Regelungen bei der Einreise von Saisonkräften, faire Bedingungen bei der Arbeitszeit, den Unterkünften und beim Gesundheitsschutz“, erklärten der agrarpolitische Sprecher der Fraktion, Rainer Spiering, und der zuständige Berichterstatter Uwe Schmidt am vergangenen Freitag (12.2.).

Die SPD-Politiker sehen Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner in der Pflicht, ein detailliertes und praxisfähiges Konzept für die kommende Erntesaison vorzulegen. Nur so könnten die Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln in Deutschland gewährleistet werden. Im vergangenen Jahr seien landwirtschaftliche Betriebe durch Corona-Ausbrüche in Schwierigkeiten geraten und hätten geschlossen werden müssen. Das gelte es, in diesem Jahr zu verhindern.

Insbesondere müsse die Einreise aus dem osteuropäischen Raum und aus Drittstaaten klar geregelt werden, forderten Spiering und Schmidt.

Mit Material von AgE