Arbeitsrecht

Saisonkräfte: Gewerkschaft mit falschen Vorwürfen

Josef Koch
Josef Koch
am Dienstag, 12.01.2021 - 11:30

Die Kritik der IG Bau weisen die landwirtschaftlichen Arbeitgeber zurück. Vorwurf schlechter Arbeitsbedingungen fehlt die Grundlage.

Saisonkraft-Spargelernte

Mit Unverständnis hat der Gesamtverband der deutschen Land- und Forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände (GLFA) auf die Kritik der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) an den vermeintlich schlechten Arbeitsbedingungen der Saisonbeschäftigten in der Landwirtschaft reagiert. Nach Angaben von GLFA-Hauptgeschäftsführerin Nicole Spieß entbehren die vom stellvertretenden IG BAU-Bundesvorsitzenden Harald Schaum erhobenen Vorwürfe jeglicher Grundlage.

Spieß verwies auf eine Überprüfung von 250 landwirtschaftlichen Betrieben mit Unterkünften von 5.800 Saisonkräften im Mai 2020 durch die nordrhein-westfälischen Arbeitsschutzbehörden. Diese Überprüfung habe ebenso wie eine bundesweit angelegte Kontrolle der Finanzkontrolle Schwarzarbeit im Juni 2020 keine großen Beanstandungen bei der Unterbringung und Beschäftigung ausländischer Saisonkräfte in der Landwirtschaft ergeben, so Nachrichtendienst Agra Europe.

Krankenversicherung privat oder gesetzlich vorhanden

Ins Leere laufe auch der Vorwurf, dass die Saisonkräfte keinen Zugang zur Krankenversicherung hätten. Sofern Saisonkräfte nicht in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert seien, schlössen die Betriebe für sie regelmäßig eine private Erntehelferversicherung ab. Diese Versicherung biete den Saisonkräften einen Schutz bei Krankheit und oft auch bei privaten Unfällen. Bei Arbeitsunfällen seien die Erntehelfer - wie alle Arbeitnehmer - über die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert.  

Schließlich betonte die GLFA-Hauptgeschäftsführerin, dass alle Saisonkräfte mindestens den gesetzlichen Mindestlohn erhielten. Teilweise erzielten sie sogar deutlich höhere Löhne, und zwar dann, wenn im Akkord gearbeitet werde.

Gewerkschaft will schärfere Auflagen

Erhebliche Missstände gibt es nach Beobachtung der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) aber nicht nur in der Fleischbranche. „Auch ein großer Teil der rund 350.000 Saisonbeschäftigten in der Landwirtschaft arbeitet zu prekären Bedingungen“, sagte der stellvertretende IG BAU-Bundesvorsitzende Harald Schaum.

Insbesondere osteuropäische Beschäftigte, die in der Spargel-, Erdbeer- oder Gurkenernte arbeiteten, litten teils unter „unhaltbaren Zuständen“. „Die Betroffenen müssen die Kosten für Anreise, Verpflegung und Unterkunft oft selbst bezahlen – bis hin zum Jobvermittler im Heimatland. In Deutschland erwartet sie meist nicht das versprochene große Geld, sondern 13-Stunden-Tage, karge Bezahlung und ein Zimmer, das sie mit mehreren Kollegen teilen müssen“, so Schaum.

Nach Informationen der Gewerkschaft erhalten Saisonbeschäftigte zudem häufig keinen Zugang zur Krankenversicherung. Die Probleme beträfen neben der Landwirtschaft auch die Forstbranche und den Gartenbau.

Die IG BAU fordert die Bundesregierung dazu auf, bessere Regeln zum Schutz ausländischer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf den Weg zu bringen. 2020 war es bundesweit zu mehreren Corona-Ausbrüchen unter Saisonbeschäftigten in der Landwirtschaft gekommen. Allein in Bayern sorgten Ausbrüche auf mehreren Bauerhöfen im Sommer für Hunderte Coronafälle, so die IG Bau.

Mit Material von AgE