Recht

Saatgut: Bund will keinen kostenfreien Nachbau

Josef Koch
Josef Koch
am Montag, 10.08.2020 - 16:43

Der Bund hält nichts vom freien Nachbau von Saatgut. Das machte er in der Antwort auf ein Anfrage der Bundestagsfraktion Die Linke deutlich.

Getreidesaatgut

Die Bundesregierung unterstützt die Forderung nach einem uneingeschränkten Recht auf freien Nachbau von Saatgut nicht. Das stellt sie in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag klar, meldet Nachrichtendienst Agra Europe.

Die Züchtung einer neuen Pflanzensorte dauere je nach Kulturart mindestens zehn bis 15 Jahre, heißt es zur Begründung. Während dieser Zeit investiere der Züchter enorme Summen. Die einzige Möglichkeit zur Refinanzierung bestehe im Verkauf von Saatgut.

Laut der Bundesregierung würde ein uneingeschränktes Recht auf freien Nachbau auf lange Sicht die Wettbewerbsfähigkeit der mittelständischen Pflanzenzüchtungswirtschaft schwächen. In der Folge wäre es für internationale Saatgutkonzerne leichter, die entstehenden Marktlücken zu besetzen.

Um den Herausforderungen an eine nachhaltige Landwirtschaft unter sich weiter ändernden Klimabedingungen begegnen zu können, müsse dafür Sorge getragen werden, dass die mittelständischen Pflanzenzüchter auch weiterhin in der Lage seien, widerstandsfähige, innovative und klimaangepasste Pflanzensorten zu entwickeln.

Tackmann für freien Nachbau

Die Agrarsprecherin der Linken, Dr. Kirsten Tackmann, entgegnet der Regierungsantwort. Ihrer Meinung nach müssen alte Sorten als genetisches Gedächtnis unbedingt erhalten bleiben. Das heißt aber auch, dass sie vermehrt werden müssen. Die Fokussierung des Regelwerks auf Hochleistungssorten habe zu einem dramatischen Verlust der genetischen Vielfalt der Nutzpflanzen geführt.

"Dieser negative Trend muss dringend gestoppt werden. Dabei spielt die Saatgut-Gewinnung durch Klein- und Hobbygärtner eine wichtige Rolle. Dass die Bundesregierung das bisher nicht anerkennt, ist ein fatales Zeichen“,so Tackmann.

Die Linke stehe daher seit vielen Jahren für den freien Nachbau von Saatgut ohne Nachbaugebühren oder ihre Finanzierung durch die Solidargemeinschaft. Für die Sicherung von mehr Saatgutvielfalt auf den Äckern und in den Gärten müssen laut Tackmann neue Formen zum Schutz und zur Vermehrung von Saatgut unterstützt werden, zum Beispiel gemeingutbasierte Saatgutsysteme.

Öffentliche Grundlagenforschung unterstützt

In Deutschland wird die Pflanzenzüchtungsforschung der Bundesregierung zufolge im Interesse der Allgemeinheit durch eine begleitende öffentliche Grundlagenforschung unterstützt. Auch die seit Jahren erfolgreiche Kooperation von öffentlicher und privatwirtschaftlicher Förderung in der angewandten Züchtungsforschung leiste einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Branche.

Zudem wird laut Bundesregierung die züchterische Bearbeitung von derzeit wirtschaftlich unbedeutenden Kulturarten für eine mögliche zukünftige Nutzung gesichert. Wirtschaftssysteme mit rein staatlicher Pflanzenzüchtungsstruktur wie die Getreidezüchtung in den USA hätten gezeigt, dass auf längere Sicht und je nach Wirtschaftslage und Prioritätensetzung mangels ausreichender staatlicher Unterstützung die Vielfalt und Ertragsleistung der züchterisch bearbeiteten Pflanzenarten rückläufig sei.

Nur die Hälfte der Landwirte kaufen bei Züchtern

Nach Angaben der Bundesregierung wird bei selbstbefruchtenden Pflanzenarten nur etwa die Hälfte des verwendeten Saatgutes bei Züchtern erworben. Das bedeute, dass nur 50 % der Landwirte und Gärtner bereit seien, den Züchtungsfortschritt mit zu finanzieren. Die andere Hälfte betreibe Nachbau und entziehe sich damit der Finanzierung des Züchtungsfortschritts, von dem sie auch durch den Einsatz von Nachbausaatgut profitiere.