Konjunkturbarometer

Rukwied ist sehr besorgt um seine Bauern

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 08.10.2020 - 16:35

Die aktuelle Stimmungslage der Bauern hat sich noch mal verschlechtert. Vor allem Schweinehalter sehen kaum noch Lichtblicke.

Rukwied-DBV-Präsident

Nach den Ergebnissen des DBV-Konjunkturbarometers Agrar für September hält die schlechte Stimmungslage der deutschen Landwirte an. Ursachen sind die ungünstigen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen sowie die wirtschaftlichen Auswirkungen der für den Menschen ungefährlichen Afrikanischen Schweinepest (ASP).

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, hält die Ergebnisse dieser repräsentativen Umfrage für besorgniserregend: „Corona, schlechte Ernteergebnisse und nun die Afrikanische Schweinepest sind eine sehr gefährliche Mischung für unsere Betriebe, die den Strukturwandel noch einmal deutlich beschleunigen könnte. Die seit langem anhaltende schlechte wirtschaftliche Situation in unseren Betrieben macht mir große Sorgen.“

Indexwert auf dem Wege zum Tiefpunkt

Der Indexwert des Konjunkturbarometers Agrar fällt mit 12,3 sogar noch etwas schlechter aus als in der vorangegangenen Befragung vom Juni 2020. Da betrug er noch 15,8. Der Indexwert bildet die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung und die Erwartungen an die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung ab. Während die aktuelle wirtschaftliche Lage gegenüber Juni spürbar schlechter bewertet wird, zeugt die Einschätzung der zukünftigen Lage unverändert von einer im Zeitvergleich nur geringen Zuversicht.

Die Investitionsplanungen der Landwirte für die kommenden sechs Monate sind weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau. Nur 31 Prozent der Landwirte wollen in dieser Zeit investieren. Das für die nächsten sechs Monate geplante Investitionsvolumen liegt mit 5 Mrd. € leicht unter dem entsprechenden Vorjahresstand. Rückläufig sind vor allem Investitionen in Ställe einschließlich Hof- und Stalltechnik. Dafür sind im nächsten halben Jahr nur 2,3 Mrd. € Investitionen vorgesehen. Das sind wiederum 300 Mio. € weniger als im Vorjahr.

Alarmsignal für Politik

„Dieser Befund muss ein Alarmsignal für die Politik sein“, mahnt DBV-Präsident Rukwied.

„Der vielbeschworene Umbau der Tierhaltung und vor allem mehr Tierwohl kann ohne Investitionen nicht gelingen. Dazu kommt, dass neben einer faktischen bau- und genehmigungsrechtlichen Blockade solcher Bauvorhaben auch das Vertrauen in verlässliche politische Rahmenbedingungen für die Weiterentwicklung der Tierhaltung fehlt," stellt Rukwied fest.

Der aktuelle Stillstand bei der Baurechtsnovelle bremse Investitionen in noch mehr Tierwohl aus und verschärfe das Problem zusätzlich.

Nur Ackerbauern sind derzeit etwas besser gelaunt

Die Liquidität der Betriebe hat sich seit Dezember 2019 kaum verändert. Im September 2020 gaben 15 Prozent der Betriebe an, dass ihre Liquiditätslage angespannt oder sehr angespannt ist. Mit 20 Prozent ist dieser Anteil unter den Veredlungsbetrieben sehr hoch, im Osten Deutschlands klagen sogar 27 Prozent über knappe Kassen.

Auf der Notenskala von 1 bis 5 wird die aktuelle wirtschaftliche Situation im Durchschnitt der Betriebe mit 3,12 ähnlich ungünstig beurteilt wie die zukünftigen Aussichten mit einem Wert von 3,22. Während Veredlungsbetriebe wegen der ASP-bedingten negativen Marktauswirkungen eine erhebliche Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage beklagen und auch Futterbetriebe eine gewisse Verschlechterung ihrer Lage sehen, schätzen Ackerbaubetriebe ihre Lage etwas günstiger ein als noch im Juni.

Schweinehalter sehen für Zukunft schwarz

Die Zukunftserwartungen sind in allen Betriebsformen wenig optimistisch. In Futterbaubetrieben setzt sich zwar der Trend zu mehr Zukunftszuversicht fort, Ackerbaubetriebe aber beurteilen die künftige wirtschaftliche Lage aktuell pessimistischer als noch im Juni.

Nach Ausbruch der ASP in Deutschland erreichen die Zukunftserwartungen der Veredlungsbetriebe sogar einen bislang nicht gekannten Tiefpunkt.