EU-Nitratrichtlinie

Rote Gebiete: In Bayern künftig deutlich weniger

Josef Koch
Josef Koch
am Mittwoch, 14.10.2020 - 14:40

Erste Entwürfe für die neuen nitrat- und phospatbelasteten Gebiete liegen vor. In Bayern kommt es zu deutlichen Verschiebungen.

Güllegrubber

Die Neuabgrenzung der roten Gebiete (Nitrat) nach Düngeverordnung befindet sich auf der Zielgeraden. Der Bayerische Bauernverband (BBV) geht davon aus, dass sich die Nitrat-Kulisse deutlich reduziert. Bisher betrug der Flächenanteil der roten Gebiete 25 Prozent. Laut Recherchen der Wochenblattredaktion soll sich der Anteil nun sogar halbiert haben. Vor allem in Franken hat sich das Netz der roten Gebiete verringert.

Der Einsatz der Bauernverbände für eine differenziertere und nachvollziehbarere Abgrenzung sei unterm Strich erfolgreich, heißt es in der BBV-Pressemitteilung.

Kritisch sieht der BBV die neu hinzukommenden Phosphatgebiete (sog. gelbe Gebiete). Nach Wochenblattrecherchen soll der Anteil der gelben Gebiete an der Landwirtschaftlichen Nutzfläche um die 29 Prozent betragen. Die verbleibenden roten Gebiete sowie die neuen gelben Gebiete müssen aber noch auf Nachvollziehbarkeit überprüft werden.

Der BBV informiert Mitglieder über gutachterliche und juristische Möglichkeiten. Nach eigenen Angaben ist der Verband seit Monaten gerüstet, um betroffene Mitglieder zum Beispiel über Interessensgemeinschaften zu unterstützen.

 

Feinere Differenzierung als bisher

Mit der Bundesverwaltungsvorschrift zur Abgrenzung der mit Nitrat belasteten und eutrophierten Gebiete wurden die Leitplanken für eine differenziertere Gebietsausweisung geschaffen. Auch wenn bei den Regelungen der AVV GeA an der ein oder anderen Stelle aus landwirtschaftlicher Sicht noch Verbesserungspotential bestanden hätte, entscheidend ist, dass neben einer verpflichtenden Binnendifferenzierung auch eine neue abgestufte Systematik zur Ausweisung der roten Bereiche festgelegt wurde.

Diese identifiziert zuerst Gebiete mit hohen Nitratwerten auf Basis des sogenannten Ausweisungsmessnetzes. Hierbei werden künftig nur noch Messstellen mit landwirtschaftlichem Einfluss eine Rolle spielen. In einem zweiten Schritt wird durch Hinzunahme sogenannter Stützmessstellen eine feinere Abgrenzung vorgenommen.

In den somit identifizierten Bereichen wird abschließend in einer Modellierung zusätzlich die aktuelle Landbewirtschaftung berücksichtigt. Nur Bereiche die über die Messwerte und auch anhand der Stickstoffausträge der aktuellen Bewirtschaftung Handlungsbedarf aufweisen sind als rote Gebiete Nitrat eingestuft.