Umweltschutz

Regionale Erzeugung schont Regenwald

Brasilien
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Donnerstag, 14.01.2021 - 14:44

"Wegen uns, den Bauern, muss der Regenwald nicht brennen", sagt Andreas Bertele von LsV Bayern.

Die Bilder vom brennenden Regenwald lösen häufig heftige Emotionen aus. Das trifft auch auf Bauern zu, denn sie sind besonders stark vom Klima abhängig. Die Erkenntnis, wie der Regenwald und das Klima zusammenhängen, ist seit Jahrzehnten bekannt. Bereits die Generation 50+ hat in der Schule gelernt, wie wichtig der Regenwald für das Weltklima ist. Dennoch ändert sich wenig.

Bauern sind sich ihrer Verantwortung bewusst

Häufig wird den Bauern zur Last gelegt, dass sie durch das Verfüttern von Sojaextraktionsschrot eine Mitschuld am brennenden Regenwald tragen. "Dieser Verantwortung wollen wir Bauern uns stellen, schaffen das aber nicht allein", beschreibt gibt LsV-Sprecher Bertele die schwierige Situation. Das jetzige agrarpolitische System, das auf weltweite Marktöffnungen setze und damit weltweite Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft fordere und mit Ausgleichszahlungen fördere, sei nun einmal Fakt, an dem der einzelne Bauer nicht vorbeikomme.

Produktionsauslagerung ist keine Lösung

Deutschland fehlen schon jetzt etwa 3,5 Mio. ha Fläche, um sich komplett selbst zu versorgen. Dennoch sei bei vielen noch nicht das Bewusstsein dafür vorhanden, wie wichtig die regionale Produktion sei, kritisiert Landwirtschaft verbindet Bayern. Wenn die agrarpolitische Landtagssprecherin der bayerischen Grünen, Frau Sengl, die Meinung vertrete, dass ihr ein Bioweizen aus Italien lieber sei, als ein nach den hohen konventionellen Standards regional erzeugter bayerischer Weizen, mache das sehr nachdenklich.

Es zeige doch direkt, wohin die Reise gehe. Erträge und Ernten, die in Bayern und Deutschland nicht eingefahren werden können, benötigen Ersatzflächen irgendwo am anderen Ende der Welt. Eine Erzeugung in Italien mag da noch nicht besonders erschrecken. Aber die deutsche Selbstversorgung verschiebe sich bis hin in den Regenwald, gibt LsV Bayern zu bedenken.

"Sicher sind wir Bauern mitverantwortlich", gesteht Bertele ein, denn am Ende lande Sojaschrot im Trog. Aber auch Rindfleisch, erzeugt auf Flächen des abgebrannten Regenwaldes lande auf den Tellern der Deutschen. Muss man den Bauern das zum Vorwurf machen, dass es so ist, wie es ist? Kann man den Bauern nicht glauben, dass sie gerne auf Sojaschrot aus dem Regenwald verzichten würden, so der Appell des LsV-Sprechers.

Marktwirtschaft funktioniert nicht

"Wir Bauern müssten in der komfortabelsten Situation am Markt sein, die man sich vorstellen kann, wenn die Selbstversorgung im Land von der landwirtschaftlichen Nutzfläche her nicht gewährleistet ist", sagt Bertele. Aber die Profiteure des jetzigen Systems seien nicht die Bauern. Er verweist in diesem Zusammenhang auf den Vorschlag zur Ausarbeitung eines Jahrhundertvertrages (JHV). Er könnte endlich dafür sorgen, dass der Schutz des Regenwaldes keine Floskel bleibe, sondern tatsächlich etwas geschehe. Wegen den Bauern müsse der Regenwald nicht brennen. Den Teller leer essen mache schönes Wetter. Den heimischen Teller leer essen mache gutes Klima, so Bertele.