Bestäubung

Rapsblüte: WDR bringt Rapsbauern auf die Palme

Josef Koch
Josef Koch
am Dienstag, 18.05.2021 - 12:10

Die Ufop kritisiert den Westdeutschen Rundfunk für ein Video mit Falschaussagen zum Raps. Der Sender ist nur zu kleinen Änderungen bereit.

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Der öffentliche Rundfunk verärgert derzeit massiv die Rapsanbauer. In einem Video des Westdeutschen Rundfunks (WDR) auf dessen Facebookseite in der Reihe "Heimatflimmern" behauptet der Sender, "Hummeln und Bienen würden süchtig nach dem süßen Nektar, durch die Rapsbestäubung "vergessen sie dabei die vielen andere Pflanzen“, Wildblumen kommen zu kurz und vermehren sich nicht mehr“. Dies sei die „Schattenseite der gelbleuchtenden Monokultur“.

Nicht nur Landwirte in den sozialen Medien, sondern auch die Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen (Ufop) kritisieren das Video des öffentlichen rechtlichen Senders scharf. Die mit Gitarrenmusik unterlegten Bild- und Textbotschaften offenbaren laut Ufop „mangelndes Wissen beziehungsweise eine völlig unzureichende Recherche in der Sache“.

Nach der massiven Kritik vieler User, vor allem aus der Landwirtschaft, habe der WDR eine inhaltliche Textergänzung zum Video eingefügt. Darin heißt es: "Im Beitrag werden angesichts großer Flächen gelbblühender Rapsfelder diese irrtümlicherweise als Monokultur bezeichnet. Das ist nicht richtig. Wir bitten dies zu entschuldigen, können aber leider im Nachhinein ein Video nicht korrigieren. Ein Ändern oder Löschen des Beitrags werde vom WDR aber abgelehnt, obwohl dies technisch machbar wäre, bemängelt die Ufop.

Ufop kritisiert Falschinformation zur Bestäubung

Auch der Vorwurf, dass Bienen bei der Rapsbestäubung andere Pflanzen „vergessen“, zu bestäuben, hätte mit einem Blick auf verfügbare Informationsquellen leicht widerlegt werden können, heißt es in einem Ufop-Rundschreiben. Sachlich richtig sei, dass Bienen „blütenstet“ seien, sie also diese Trachtquelle solange anfliegen, solange dort Nektar beziehungsweise Pollen verfügbar seien. Das machten Wildbienen auch, sofern diese nicht auf bestimmte Blühpflanzen angewiesen seien.

Raps sei für die Imker als Trachtpflanze für den Stockaufbau und für den wirtschaftlichen Honigertrag wichtig, betonte die Förderunion. In Medien sei deshalb wiederholt der Rückgang des Rapsanbaus in einigen Regionen beklagt worden.

Es sei bekannt, dass Raps in erster Linie von Honigbienen beflogen werde, erklärte die UFOP weiter. Wildbienen, die im Wesentlichen Blütenpflanzen auf Wiesen anflögen, seien in Rapsbeständen eher selten.

Eine aktuelle Studie habe belegt, dass die Bestäubung von Apfelbäumen nicht unter dem benachbarten Rapsanbau leide, da zwar die Honigbienen verstärkt in den Raps fliegen würden, die Wildbienen aber bei der Apfelbestäubung dies kompensiert hätten, während die Befliegung in den Apfelplantagen mit Hummeln gleich geblieben sei.

Bei blühenden Wiesen dürfte es mindestens eine Analogie geben, so dass man sogar davon sprechen könne, dass bei der Bestäubung von Wildblumen der Rapsanbau die Konkurrenz für die Wildbienen auch vermindere.