DBV-Situationsbericht

Preiskrise senkt die Bauerneinkommen drastisch

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 10.12.2020 - 11:10

Für das laufende Wirtschaftsjahr erwartet der Deutsche Bauernverband sehr schwache Unternehmensergebnisse, vor allem für Schweinehalter.

Bauernhof-Berchtesgadener Land

Die Wirtschaftsergebnisse von bayerischen Bauernhöfen sind nach dem herben Minus von 17 Prozent im Wirtschaftsjahr 2018/19 noch weiter zurückgegangen. Die Ergebnisse lagen laut aktuellem DBV-Situationsbericht im Wirtschaftsjahr 2019/20 nochmal um durchschnittlich 3,8 Prozent unter dem Vorjahr.

„Während sich die Ergebnisse bundesweit in der Zeit vor Corona leicht erholen konnten, waren die Zahlen in Bayern rückläufig. Doch diese vergleichsweise moderate Verschlechterung wird von den Auswirkungen der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Marktproblemen und Preisverluste in den Schatten gestellt“, sagt der bayerische Bauernpräsident Walter Heidl.

Bei reinen Ackerbauern sind die Ergebnisse 2019/20 in Bayern erneut um 10,4 Prozent zurückgegangen, bei Futterbaubetrieben wie Milchviehhalter um 17 Prozent. Veredelungsbetriebe konnten ihre Verluste aus den Vorjahren trotz deutlichem Plus nicht wettmachen. Die Ergebnisse sind laut BBV repräsentativ. Sie wurden gemäß der letzten Agrarstrukturerhebung hochgerechnet. Daten für einzelne Regierungsbezirke oder Landkreise in Bayern sind nicht verfügbar, da hierfür der Stichprobenumfang zu gering ist.

Schnelle Hilfen nötig

Essen aus Bayern ist in der aktuellen Krise nach Heidls Meinung wichtiger denn je. Doch Bäuerinnen und Bauern als Erzeuger haben mit einem dramatischen Preisverfall zu kämpfen. Der Preis für Schweinefleisch zum Beispiel habe sich seit dem Frühjahr fast halbiert, beklagt der BBV-Präsident. Er fordert jetzt schnelle und wirksame Unterstützung.

Um Zukunftsperspektiven zu ermöglichen, sind aus Heidls Sicht auch bei den schwierigen Beratungen zur künftigen EU-Agrarpolitik, dem geplanten Insektenschutzgesetz, der Umsetzung der Düngeverordnung und den „roten und gelben Gebieten“ in Bayern sowie bei Handelsabkommen wie mit den Mercosur-Staaten Entscheidungen im Sinne der bäuerlichen Familienbetriebe nötig.

Der Situationsbericht des Deutschen Bauernverbandes basiert auf den Ergebnissen der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe im Wirtschaftsjahr 2019/20. Eingeflossen sind die Buchführungsdaten von 10.921 deutschen Betrieben, darunter etwa ein Drittel bayerische Betriebe.

Bundesweiter Trend kaum besser

Bundesweit sieht der Einkommenstrend nur unwesentlich besser aus. Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, zieht eine nüchterne Bilanz für das abgelaufene landwirtschaftliche Wirtschaftsjahr. Mit Sorge blickt er auf 2020/21. „Die Corona-Pandemie hat auch viele landwirtschaftliche Betriebe hart getroffen", so der DBV-Präsident.

Geschlossene Schlachtbetriebe, der Ausfall der Gastronomie und obendrein die Afrikanische Schweinepest haben die Tierhalter, vor allem die schweinehaltenden Betriebe in eine Krise gestürzt. Die aktuell ruinösen Erzeugerpreise für Schlachtschweine und Ferkel sind existenzbedrohend.

Dazu schwäche eine Reihe politischer Entscheidungen, wie die Verschärfung der Düngeverordnung und das geplante Insektenschutzgesetz, die wirtschaftliche Grundlage der Betriebe. Die Situation auf vielen Höfen sei extrem angespannt, warnt Rukwied.

Milchviehhalter verdienen erneut weniger

Unternehmensergebnisse2019/2020-DBV

Die wirtschaftliche Lage der deutschen Landwirte im abgelaufenen Wirtschaftsjahr von Juli 2019 bis Juni 2020 war durchwachsen. Ackerbaubetriebe konnten ihr relativ niedriges Vorjahresergebnis nur leicht auf 44.752 € je Familienkraft erhöhen. Milchviehbetriebe verzeichneten im zweiten Jahr in Folge deutlich rückläufige Gewinne. Sie kamen im Wirtschaftsjahr 2019/20 nur noch auf knapp 40.000 € je Landwirte. Zwei Jahre zuvor waren es noch weit fast 64.700 €.

Das Sorgenkind der Branche bleiben aber die Rindermäster, führte Rukwied aus. Die Ergebnisse waren mit Minus 10 Prozent erneut rückläufig. Je Familien-AK erreichten sie nur noch 25.000 €. Sonderkulturbetriebe (Obst-, Weinbau) kamen mit 37.000 €/Fam-AK auf ein rund 18 Prozent niedrigeres Ergebnis.

Deutliche Zugewinne verzeichneten temporär die schweinehaltenden Veredlungsbetriebe, die im Wirtschaftsjahr 2019/20 noch vom hohen internationalen Preisniveau profitieren konnten, bevor Corona und Afrikanische Schweinepest die Preise auf ein historisch niedriges Niveau abstürzen ließen. Je Familien-AK betrug das Ergebnis 89.689 €. Dafür lag das Ergebnis im Vorjahr um 60 Prozent niedriger. "Dieses einmalige Ergebnis können sich die Bauern lediglich als historisches Jahr einrahmen", meinte der Bauernpräsident. Die derzeitige Lage "fresse diese Gewinne" auf.

Starker Gewinneinbruch für Schweinebauern zu erwarten

Im Durchschnitt der Haupterwerbsbetriebe (Personengesellschaften und Einzelunternehmen) lag das Unternehmensergebnis mit 64.500 Euro um 13 Prozent über dem Vorjahresergebnis von 57.000 Euro, aber unter dem Ergebnis des Wirtschaftsjahres 2017/18. Der starke Einbruch des Vorjahres konnte nicht ausgeglichen werden.

Im laufenden Wirtschaftsjahr 2020/21 wird sich die Einkommenslage wieder deutlich verschlechtern. Für Milchvieh- und Ackerbaubetriebe rechnet der DBV mit wenig Veränderung der unterdurchschnittlichen Ergebnisse. "Das Niveau ist jedoch keineswegs zufriedenstellend", beklagt der Bauernpräsident. Dagegen steht den Veredlungsbetrieben ein massiver Einbruch ihrer Unternehmensergebnisse bevor. "Hier sind die Aussichten zappenduster", gibt sich Rukwied besorgt. Für Ferkelerzeuger erwartet er sogar "tiefrote Ergebnisse", für Schweinemäster bleibe viel zu wenig übrig. Grund sind hier die extrem gefallenen Erzeugerpreise.