Lebensmitteleinzelhandel

Preiskrise: Mortler fordert faires Miteinander

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 31.12.2020 - 06:30

Für die jüngsten Bauernproteste beim Lebensmittelhandel zeigen EU-Agrarpolitiker Verständnis. Faires Miteinander wird gefordert.

Mortler-Marlene-EU-Parlmament

Dass sich die Bäuerinnen und Bauern in Deutschland gegen beabsichtigte Preissenkungen im Lebensmittelhandel wehren, findet die CSU-Europaabgeordnete Marlene Mortler nicht verwunderlich.

"Die Stimmung droht zu kippen – politisch und gesellschaftlich! Es geht um nicht weniger als um unsere Urproduktion. Es geht um die Lebensmittelversorgung aus dem eigenen Land," befürchtet Mortler.

Um dieser negativen Entwicklung entgegenzutreten, hat die Europäische Union den Mitgliedsländern bereits im April 2019 ein starkes Instrument an die Hand gegeben: die Richtlinie über unlautere Handelspraktiken in den Geschäftsbeziehungen zwischen Unternehmen in der Agrar- und Lebensmittelversorgungskette, kurz UTP-Richtlinie. Es ist an den Mitgliedsstaaten, die UTP-Richtlinie in nationales Recht umzusetzen.

Dem ist Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner jetzt nachgekommen. Damit ist es zukünftig beispielsweise verboten, dass der Lebensmitteleinzelhandel über Nacht ganze Aufträge zurücknimmt und die Landwirte auf den bestellten Erzeugnissen sitzen lässt. Aber es bleiben für den Lebensmitteleinzelhandel weiterhin legale Schlupflöcher bestehen, meint die CSU-Politikerin.

Branche muss zurückrudern

"Unsere heimischen Erzeuger stehen unter massivem Druck", so Mortler. Einerseits fordere der Lebensmitteleinzelhandel ihnen immer höhere Standards ab. Andererseits drängten billige Rohstoffe aus dem Ausland gut verpackt in Fertigprodukten auf den Markt.

Mit regionalen Erzeugnissen werden Kunden angelockt. Gleichzeitig verspriche der Lebensmitteleinzelhandel in seiner Werbung Preise im Sinkflug. Das sei nicht nur verführerisch, sondern gleichermaßen zerstörerisch, findet die Europapolitikerin. Der Machtkampf und Verdrängungswettbewerb, den sich die vier großen Lebensmitteleinzelhändler in Deutschland liefern, wird laut Mortler auf dem Rücken der Erzeuger ausgetragen. Wenn sich daran nichts ändert, fahren die Landwirte in eine Sackgasse. Die Branche müsse zurück zu Geschäftsbeziehungen auf Augenhöhe, verlangt Mortler.

Nach deren Auffassung geht es neben einer auskömmlichen Bezahlung der Landwirte um ein faires Miteinander zwischen Lebensmitteleinzelhandel, Lebensmittelindustrie und Landwirten. Mortler will dafür kämpfen, dass sich alle Mitglieder der Lebensmittelversorgungskette auf Augenhöhe begegnen können. Dabei sieht sie die UTP-Richtlinie als einen wichtigen Schritt.