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Bauernproteste

Preiskrise: Klöckner fordert vom Handel faires Verhalten

Josef koch
Josef Koch
am Montag, 07.12.2020 - 05:00

Bundesagrarministerin Julia Klöckner erwartet vom LEH einen fairen Verhaltenskodex im Umgang mit Marktpartnern.

Klöckner-FairplayfürBauern

Bei der Videokonferenz mit Vertretern der Handelsketten und Handelsverbände hat Bundesagrarministerin Julia Klöckner, vergangenen Donnerstag einen gemeinsamen Verhaltenskodex vorgeschlagen.Anlass zu der Videoschalte waren die Demonstrationen von Landwirten vor Zentrallagern des Lebensmitteleinzelhandels in der vergangenen Woche. Auch der Bayerische Landtag will diese Woche das Thema aufgreifen.

Laut Klöckner stehen die landwirtschaftlichen Betriebe durch nicht auskömmliche Erzeugerpreise unter Druck. Deshalb habe sie mit der Novelle der UTP-Richtlinie für faire Handelspraktiken gehandelt. Zahlreiche unfaire Handelspraktiken will sie gesetzlich verbieten.

Darüber hinaus hält die Ministerin es für wichtig, dass es eine unmittelbare Verständigung zwischen Handel und Landwirtschaft gibt. "Es geht um mehr Wertschätzung für Lebensmittel und um Preise, die unseren Bauern eine entsprechende Wertschöpfung ermöglichen", so Klöckner.

Eine Möglichkeit hierfür sei ein Verhaltenskodex, mit dem sich der Handel eigene Regeln für ein faires Miteinander gebe, regte sie im Gespräch mit den LEH-Bossen an.

Klöckner hat auch gleich einen Ratschlag parat: Für die Verbraucherinnen und Verbraucher hält sie es für einen Vorteil, wenn auf den Verpackungen der Anteil vermerkt wäre, der vom Verkaufspreis an die Bauern geht. "Solche Initiativen gibt es bereits, die sollte der Handel breiter aufgreifen.“

Heidl: Betroffene Hunde bellen

Indes zeigt sich BBV-Präsident Walter Heidl von der Aussage des Lidl-Chef Klaus Gehrig überrascht. Dieser sagte, dass dass sein Unternehmen die grundsätzlichen Gesetzesinitiativen gegen unfaire Handelspraktiken mitträgt: „Das allermeiste, was dort gesetzlich geregelt werden soll, ist bei uns schon tägliche Praxis. Wir sehen uns als Partner der heimischen Landwirtschaft. Nahezu 100 Prozent unserer Frischmilch und unseres Frischfleisches werden in Deutschland produziert und verarbeitet. Darüber hinaus erschließen wir für deutsche Landwirte ausländische Märkte. Das geht nur unter fairen Bedingungen.“

Heidl meinte, das sei ein spätes Bekenntnis von Lidl. Vor kurzem habe es jedoch einen Aufschrei innerhalb der handeslbranche gegeben, als Klöckner den Gesetzesentwurf gegen unfaire Handelspraktiken vorgelegt habe. "Nur betroffene Hunde bellen", so Heidl. Er erwartet, dass Lidl und die anderen Handelsunternehmen das künftig auch leben.