Schweinemarkt

Preiskrise: Kaniber lobt Lidl und Rewe

Josef Koch
Josef Koch
am Freitag, 11.12.2020 - 10:08

Auf positive Reaktionen fallen die jüngsten Preisaktionen von Rewe und Lidl in der Agrarbranche. Doch wie lange hält der Handel das durch?

Kaniber-Michaela-Agrarministerin-Bayern

Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber hat Preisaktionen des Lebensmitteleinzelhandels zugunsten der Landwirte begrüßt. Dass Lidl und Kaufland angesichts der derzeit desaströsen Lage für die Schweinehalter die Preise für Schweinefleisch anheben, sei ein ermutigendes Zeichen der Solidarität mit unseren Bäuerinnen und Bauern. Wenn diese Preiserhöhung Eins-zu-eins bei den Urproduzenten ankomme, sei das das lang ersehnte Signal der Wertschätzung.

Ein Euro mehr kann laut Kaniber viel bewirken. "Die Aktion stimmt mich zuversichtlich, dass in der Gesellschaft ein Umdenken hin zu einem fairen Umgang in der gesamten Wertschöpfungskette stattfindet,"so die Ministerin.

Sie freut sich, dass mit Rewe sich ein Mitbewerber im Lebensmitteleinzelhandel diesem Beispiel anschließt, um die landwirtschaftlichen Betriebe nachhaltig zu unterstützen. "Es wäre schön, wenn die anderen folgen würden“, sagte Kaniber.

Damit eröffne sich auch die Perspektive auf ein Ende des Dumpingpreis-Wettbewerbs beim Fleisch. Ein Bekenntnis zur Stärkung der regionalen Versorgung gebe den heimischen landwirtschaftlichen Betrieben mehr Sicherheit. Niemanden sei gedient, die heimische Nahrungsmittelversorgung zu zerstören und sich vom Ausland abhängig zu machen. 

ISN appelliert an Zusammenhalt

Nach Auffassung des Interessensgemeinschaft für Schweinehalter Deutschlands (ISN), darf es bei den Schnellschüssen des Lebensmittelhanels (LEH) nun allein nicht bleiben. Jetzt müssten die Weichen durchdacht gestellt werden. Die Basis für auskömmliche Erlöse ist laut ISN eine transparente Haltungs- und Herkunftskennzeichnung. Eine Kennzeichnung, die bis zur Geburt der Tiere reicht, und Nämlichkeitsboni würden hierbei auch die deutschen Ferkelerzeuger mit einbeziehen.

ISN-Geschäftsführer Torsten Staack fordert die Landwirtschaft auf, an einem Strang zu ziehen: Die landwirtschaftlichen Organisationen dürften es jetzt nicht zulassen, dass von Seiten des LEH ein Keil zwischen die eigenen Reihen getrieben werde. "Es ist nicht abwegig, dass genau dies ein Ziel einzelner Händler ist. Warum zahlt man beispielsweise in einen Topf ein, den u.a. Rinderhalter nicht erreichen können?", fragt sich Staack.

Einen Verteilungskampf zwischen den Betrieben mit unterschiedlichen Betriebszweigen dürfe die Branche ebenso wenig zulassen, wie Kompetenzgerangel zwischen Organisationen, welche die Interessen der Landwirte vertreten. Da wird laut Staack mit Sicherheit der eine oder andere über seinen Schatten springen müssen.

"Aber ob nun Erfolge mehr von LSV, dem DBV oder anderen Organisationen verbucht werden können, ist doch zweitrangig", so der ISN-Chef. Am Ende gehe es doch darum, für die hiesige Landwirten eine verlässliche und auskömmliche Perspektive zu schaffen. Und das gehe am erfolgreichsten gemeinsam.