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Forschung

Prämien allein nicht ausschlaggebend für Artenschutz

Blühfläche
Agra-Europe
am Montag, 03.02.2020 - 11:07

Thünen-Wissenschaftlerinnen empfehlen intensivere Beteiligung von Landwirten bei der Entwicklung von Umweltmaßnahmen.

Braunschweig - Die Bereitschaft von Landwirten zu Maßnahmen für den Artenschutz hängt nicht allein von der Prämienhöhe ab. Das zeigt eine Studie, für die Wissenschaftler des Thünen-Instituts (TI) Brauschweig insgesamt 25 intensive Interviews mit Praktikern geführt haben. Wie das Institut mitteilte, weisen Landwirte grundsätzlich eine hohe Wertschätzung für die Natur auf und sind durchaus gewillt, Naturschutzaspekte im Ackerbau zu berücksichtigen.

Dabei seien das Naturverständnis der Bauern und deren Ziele im Naturschutz sehr von der umgebenden Landschaft geprägt. Auch das praktische, produktionstechnische Wissen, die eigenen Erfahrungen und das Verständnis von guter landwirtschaftlicher Praxis beeinflussten die Sicht der Landwirte auf die Natur. Dies könne zur paradoxen Situation führen, dass die Bauern auf bestimmte Naturschutzmaßnahmen verzichteten, so das Institut.

„Aufgrund ihres landwirtschaftlich geprägten Naturverständnisses bezweifelten viele Landwirte in unserer Erhebung den ökologischen Nutzen bestimmter Vorgaben staatlicher Agrarumweltprogramme. Sie setzen deshalb entsprechende Maßnahmen nicht um, obwohl sie ein Interesse haben, die biologische Vielfalt in der Agrarlandschaft zu erhalten“, erläuterte die Hauptautorin der TI-Studie, Dr. Nataliya
Stupak.

Landwirte unterschätzen ökologischen Wert von Brachen

Stupak zufolge zeigen die Untersuchungsergebnisse, dass die im Ackerbau erworbene, tief verwurzelte Überzeugung, dass
Felder „ordentlich“, also gleichmäßig dicht im Aufwuchs und ohne „Unkräuter“, aussehen sollten, auch auf Maßnahmen zum
Umwelt- und Naturschutz übertragen werden.

Beispielsweise führten die Vorgaben der staatlichen Förderprogramme bei Blühstreifen in den Augen der befragten Landwirte dazu, dass sich diese „nicht so entwickeln könnten“, wie sie es für richtig hielten. Zudem unterschätzen laut Stupak einige der befragten Landwirte den ökologischen Wert von „unordentlichen“ Flächen wie Brachen und extensiv bewirtschafteten Ackerkulturen für die Biodiversität.

Für andere Bauern sei es nicht nachvollziehbar, dass solche im landwirtschaftlichen Sinne unproduktiven Flächen überhaupt etwas für die Natur brächten, verdeutlichte die Wissenschaftlerin.

Landwirte mitnehmen

Die Ergebnisse lassen nach Einschätzung der Autoren der Studie vermuten, dass eine alleinige Erhöhung der Prämien für biodiversitätsfördernde Maßnahmen nicht ausreichen wird, um eine Beteiligung an Agrarumweltprogrammen in der nötigen Breite
und Qualität zu erreichen. „Es wird darauf ankommen, dass die Ziele und Vorgaben in den staatlichen Programmen, die vonseiten
der Landwirtschaft häufig kritisiert werden, viel besser erläutert werden“, so Co-Autorin Dr. Barbara Heinrich.

Aus ihrer Sicht wäre es hilfreich, wenn Landwirte vermehrt in die Entwicklung der Maßnahmen eingebunden würden, um den Austausch und das gegenseitige Verständnis zu erhöhen. Die Thünen-Wissenschaftlerin hält es auch für wünschenswert, wenn die Landwirte ein besseres Verständnis für agrar-ökologische Zusammenhänge entwickeln würden. Solche Zusammenhänge sollten nach ihrem Dafürhalten deshalb in der Aus- und Fortbildung von Landwirten stärker berücksichtigt werden.

Eine spezifische Biodiversitätsberatung, aber auch die vermehrte Berücksichtigung von Umweltschutzbelangen im Rahmen der regulären landwirtschaftlichen Beratung könnten zudem einen wichtigen Beitrag leisten, um positive und negative Folgen einzelner Produktionsentscheidungen für die Natur besser zu verstehen, so die Empfehlung von Stupak und Heinrich.