Selbstdarstellung

PR-Fuchs Söder als Vorbild

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Alexandra Königer
am Donnerstag, 05.09.2019 - 09:28

Söder hat es geschafft, sich mit seinen 30 Millionen Bäumen monatelang in den Schlagzeilen zu halten.

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Überall heißt es jetzt „Wald retten“. Die Lage ist dramatisch, inzwischen hat auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner eine massive Aufforstung deutscher Wälder angekündigt. Einer war schneller, und dessen „Riesenoffensive“ nennt Klöckner ein Vorbild: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat schon im Juli angekündigt, in den kommenden fünf Jahren 30 Millionen Bäume pflanzen zu wollen. Natürlich nicht er selbst, sondern Fachleute.

In seinem Fach kann ihm keiner was vormachen: Der PR-Fuchs aus Bayern hat es geschafft, sich mit seinen 30 Millionen Bäumen monatelang in den Schlagzeilen zu halten. Dabei ist die Riesenoffensive in Wirklichkeit viel, viel kleiner. Denn das Baumpflanzprogramm gibt es längst. Neu ist lediglich, dass fünf Millionen Bäume zu den ohnehin geplanten 25 Millionen Setzlingen dazukommen sollen. Aber 30 Millionen, das klingt einfach besser. Die Schlagzeilen als Waldretter waren Söder sicher.

Der Tag der Verkündung war aber auch perfekt inszeniert: Kleines Pressefrühstück, ganz kurzfristig anberaumt, das lässt es dringlich erscheinen. Anschließend Fototermin. Bilder eines waldbadenden Ministerpräsidenten sind mangels Wald im Münchner Hofgarten zwar nicht herausgekommen – und das war vermutlich auch besser so, denn um den Ministerpräsidenten zu verunsichern, reichte schon eine einzige Platane. Der CSU-Chef näherte sich ihr, natürlich begleitet von Fotografen. Dann kam es zur etwas unbeholfenen Berührung, einer Art Handauflegen. Söder verharrt. Ernster Blick in die Kameras. Zack. Bild im Kasten und seitdem überall und auch mehrfach veröffentlicht.

Wenn Klöckner nun von einem Vorbild spricht: Was Eigen-PR anbelangt, da mag sie recht haben. Doch man kann nur hoffen, dass es ihr nicht nur um die Schlagzeilen geht beim Waldgipfel Ende September. Die Zeit drängt.