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Bayerischer Landtag

Pflanzenschutzmittel: Grüne kritisieren Staatsregierung

Alexandra Königer
Alexandra Königer
am Freitag, 14.01.2022 - 11:33

Ministerin Kaniber habe die Halbierung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes angekündigt, allerdings fehle bis heute die Datenbasis.

In einer Stellungnahme zum Bienen-Volksbegehren hat Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) im Jahr 2019 das Ziel ausgegeben, bis 2028 den Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln zu halbieren. Die Landtags-Grünen wollten nun wissen, wie das staatliche Monitoring der jährlichen Einsatzmenge an Pflanzenschutzmitteln in Bayern erfolgt, um dieses Ziel zu erreichen.

Sengl will belastbare Datenbasis

In der Antwort auf die Anfrage des Grünen-Abgeordneten Patrick Friedl schreibt das Landwirtschaftsministerium: „Um eine Aussage über die tatsächliche Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln treffen zu können, bedarf es zunächst der Feststellung der tatsächlichen Ausbringmenge in Bayern. Hierzu liegen auf Landesebene keine Daten vor.“ Für die grüne Agrarexpertin Gisel Sengl ist das ein Unding: „Bis heute weiß die Bayerische Staatsregierung nicht einmal genau, welche Pestizidmengen jährlich auf den bayerischen Feldern ausgebracht werden“, erklärte sie. Andere Bundesländer wie Baden-Württemberg seien beim Pestizid-Monitoring schon weiter. Auch Bayern brauche dringend eine verlässliche Datenbasis.

Kaniber wies die Kritik zurück. Bayern arbeite an einem ganzen Maßnahmenbündel zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln, sagte sie gegenüber dpa. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir mit unseren Maßnahmen die Ziele wie angekündigt bis 2028 erreichen“, erklärte sie. Aktuell könne kein Bundesland auf eine umfassende Statistik zum tatsächlichen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zurückgreifen. Aufgrund des Pflanzenschutzgesetzes müsse die Industrie dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit lediglich die abgegebene Menge an Pflanzenschutzmitteln jährlich für ganz Deutschland melden. Diese Daten müsse man auf Bayern umrechnen – und das berge statistische Unsicherheiten.

Rückgang erkennbar

Pflanzenschutzmittel

Geplant ist laut Ministerium, das fünfjährige Mittel der Jahre 2014 bis 2018 als Ausgangsbasis für den Pflanzenschutzmitteleinsatz zu verwenden, um Absatzschwankungen auszugleichen. Inwieweit die Daten als Ausgangsbasis verwendet werden können, sei allerdings noch zu klären.

Demnach ist die abgegebene Gesamt-Wirkstoffmenge an Pflanzenschutzmitteln in Bayern in den Jahren 2018, 2019 und 2020 gegenüber den Vorjahren von im Schnitt knapp 5800 Tonnen auf zuletzt 4660 Tonnen pro Jahr zurückgegangen. Dieser Rückgang ist laut Landwirtschaftsministerium unter anderem auf die trockene Witterung zurückzuführen, die es den Landwirten ermöglichte, weniger Pflanzenschutzmittel einzusetzen.

Grüne fordern Minimierungsstratgie

Die Landtags-Grünen fordern eine Pestizidminimierungsstrategie und eine konsequente Unterstützung des ökologischen Anbaus, der „ohne synthetische Gifte auskomme und so den Boden und das Grundwasser schütze“.

Patrick Friedl: „Die Aufgabe aus dem Volksbegehren, das Artensterben aufzuhalten, wird von der Söder-Regierung nur halbherzig bis gar nicht angegangen. Dabei könnten wir mit Pufferflächen sowie dem Ende des Pestizid-Einsatzes in ökologisch sensiblen Bereichen und Flora-Fauna-Habitaten schnell positive Wirkungen erzielen.“