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EU-Pläne

Pflanzenschutz-Verbot: Ökobauern fordern Ausnahmen

Bioland
Josef koch
Josef Koch
am Freitag, 04.11.2022 - 10:00

Ökoverbände sehen Probleme bei Verbot von biologischen Pflanzenschutzmitteln. Sie verlangen von der Politik, die EU-Pläne nachzubessern.

Weil die EU-Pläne zum Verbot von Pflanzenschutzmitteln (SUR) auch Biobauern hart treffen, pochen Ökoverbände wie Natur- und Bioland auf Anpassungen. Um ihren Forderungen mehr Nachdruck zu verleihen, haben sie sich gemeinsam mit dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) und dem Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW) mit einem Positionspapier an Bundesagrarminister Cem Özdemir, Bundesumweltministerin Stefanie Lemke und die Berichterstatterin des federführenden Ausschusses des EU-Parlaments, Sarah Wiener, verschickt. Darin fordern sie wichtige Nachbesserungen.

Kein Verbot natürlicher Mittel gefordert

Vor allem geht es den Bioverbänden darum, dass die EU den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln natürlichen Ursprungs weiterhin zulässt. Das sieht nämlich der bisherige Entwurf nicht vor. Nach Auffassung von Gerald Wehde, Bioland, macht dieses Anwendungsverbot den ökologischen Landbau in den empfindlichen Gebieten unmöglich.

„Das Anwendungsverbot muss daher auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel spezifiziert werden“, fordert er. Nur wenn die für den Ökolandbau zugelassenen Naturstoffe einschließlich mineralischer Stoffe weiterhin zugelassen bleiben, sei dieser zukunftsfähig. Das Verbändebündnis fordert daher, die kohärente Verwendung von Wirkstoffkategorien die SUR an die EU-Öko-Verordnung (EU) 2018/848 so anzupassen, dass anders als im jetzigen Entwurf, nicht zwischen chemischen und biologischen Wirkstoffen, sondern zwischen chemisch-synthetischen und Naturstoffen, inklusive mineralischen Ursprungs unterschieden wird.

Die Verbände sind sich einig, der Ökolandbau müsse auch in den ökologisch empfindlichen Gebieten gefördert werden. “Die vollständige Honorierung der ökologischen Leistungen des Ökolandbaus über die GAP muss dazu zukünftig auch in denjenigen Gebieten möglich sein, in denen Verbote des Einsatzes chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel gelten.

„Nur so sind die europaweiten Ziele der Farm-to-Fork Strategie mit der Halbierung des Pestizideinsatzes und 25 Prozent Ökolandbau erreichbar”, ergänzt Wehde.

Nur Ökolandbau in Wasserschutzgebieten zulassen?

Weiterhin fordert das Bündnis von Ökobauern und Wasserwirtschaft ein Anwendungsverbot für chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und das Ausweiten des Ökolandbaus in Einzugsgebieten, die der Trinkwassergewinnung dienen.

Nach Ansicht von Martin Weyand, BDEW-Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser muss es das Ziel sein, von der intensiven Landwirtschaft wegzukommen und so Einträge von chemisch-synthetischen Pestiziden und erhöhte Nitratfrachten ins Grundwasser zu vermeiden. Den Ökolandbau hält er dabei als „geeignetste präventive Maßnahme“.

Trotz strenger Zulassungsvorschriften würden Pflanzenschutzmittelwirkstoffe (PSM-Wirkstoffe) und ihre Abbauprodukte (Metaboliten) regelmäßig in Grund- und Oberflächenwasser nachgewiesen, so die Wasserwirtschaft. Die Konzentrationen liegen laut Wasserverbände teilweise oberhalb der geltenden Schwellenwerte und Umweltqualitätsnormen.

Wasserwirtschaft sieht Verursacherprinzip auf Kopf gestellt

„Um diese Grenzwerte einzuhalten, müssen Wasserversorgungsunternehmen teilweise viel Aufwand und Geld in eine kostenintensive Trinkwasseraufbereitung investieren,“ sagt Dr. Wolf Merkel, Vorstand Wasser DVGW. Damit werde das Verursacherprinzip auf den Kopf gestellt. Verbraucherinnen und Verbraucher müssten über einen erhöhten Wasserpreis die von der Intensivlandwirtschaft verursachten Folgekosten der Trinkwasseraufbereitung bezahlen.

Aus Farm-to-Fork-Strategie abgeleitet

Die EU-Kommission leitet ihren Verordnungsentwurf über die nachhaltige Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (SUR) aus der Farm-to-Fork Strategie ab. Diese beinhaltet zwei wichtige Ziele: Die Verwendung und das Risiko von Pflanzenschutzmitteln sollen bis 2030 um 50 Prozent verringert werden. Zudem soll europaweit die Ökofläche in der EU auf 25 Prozent der gesamten Anbaufläche steigen. Der Vorschlag der Europäischen Kommission für ein Pflanzenschutzmittel-Anwendungsverbot in ökologisch empfindlichen Gebieten bietet nach Auffassung des Verbändebündnisses bei entsprechender Umsetzung die Möglichkeit, den Einsatz von „chemisch- synthetischen Pestiziden“ zu beenden.