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EU-Umweltpaket

Pflanzenschutz-Verbot: Harte Nuss für Zukunftskommission

Josef koch
Josef Koch
am Montag, 03.10.2022 - 07:45

Umweltverbände befürworten EU-Pläne zum Umweltpaket, Bauern laufen dagegen Sturm.

Pflanzenschutz_Herbst

Droht die Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) kurz nach ihrem Neustart zu scheitern? Diese Frage stellt sich akut. Während Landwirte und deren Interessenvertretungen Sturm laufen gegen das EU-Umweltpaket, das unter anderen ein Pflanzenschutzverbot in sensiblen Gebieten und Flächenstilllegungen vorsieht, plädiert der Umweltdachverband Deutscher Naturschutzring (DNR) dafür.

Der DNR ist Mitglied in der ZKL, ebenso der Deutsche Bauernverband, die Organisation Landwirtschaft verbindet Deutschland (LSV) oder der Industrieverband Agrar. Die unterschiedlichen Auffassungen zum EU-Umweltpaket prallen so voll aufeinander.

 

Özdemir und Lemke sollen sich anspruchvolles Paket einsetzen

So appelliert der DNR in einem offenen Brief an die Bundesregierung, sich angesichts der fortschreitenden Biodiversitätskrise in Brüssel weiterhin für ein ehrgeiziges EU-Naturschutzpaket einzusetzen. Die vorliegenden Entwürfe der EU-Kommission für ein Renaturierungsgesetz und für eine Verordnung zur nachhaltigen Verwendung von Pflanzenschutzmitteln trügen maßgeblich zum Erhalt der biologischen Vielfalt, zum Klimaschutz und zur menschlichen Gesundheit bei und dürften daher nicht grundsätzlich in Frage gestellt werden.

„Wir fordern Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir und Bundesumweltministerin Steffi Lemke auf, sich weiterhin für ein anspruchsvolles EU-Naturschutzpaket und somit für stabile und gesunde Ökosysteme als Rückgrat unserer zukünftigen Ernährungssicherheit einzusetzen“, so DNR-Präsident Kai Niebert.

Schutzgebiete sind laut DNR unzureichend geschützt

Der nahezu flächendeckende Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln ist nach DNR-Ansicht wesentlich für den Rückgang der biologischen Vielfalt verantwortlich. Selbst Schutzgebiete würden nach Überzeugung der Organisationen in Deutschland nach wie vor nicht ausreichend vor einem Einsatz geschützt.

„Daher müssen insbesondere Nationalparks, Naturschutzgebiete, das Schutzgebietsnetz Natura 2000 sowie für den Gewässer- und Trinkwasserschutz festgelegte Gebiete inklusive ausreichender Pufferzonen vom Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel verschont bleiben“, so Niebert.

Als Argument führt er an, dass nach Erhebungen des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit der Absatz von Pflanzenschutzmitteln in Deutschland seit über 40 Jahren nahezu konstant verlaufe und der Verkauf problematischer Wirkstoffe sogar gestiegen sei. Außerdem würden Grenzwerte für „Pestizide“ in 80 Prozent der Gewässer überschritten, heißt es im DNR-Schreiben.

Ökolandbau soll als Lösung dienen

Eine Lösung sieht der Umweltdachverband im Ausweiten des ökologischen Landbaus. Das geplante Halbieren der Verwendung und des Risikos von „Pestiziden und das 25 Prozent-EU-Ausbauziel für den Ökolandbau bis 2030 müsse daher Hand in Hand“ umgesetzt werden, so Nieber. Gerade in und um sensible Gebiete könne der Ökolandbau einen entscheidenden Beitrag zur Vereinbarkeit von Schutz und Nutzung leisten.

Das EU-Naturschutzpaket wurde am 22. Juni nach mehreren Verzögerungen von der EU-Kommission vorgelegt. Es setzt Ziele der europäischen Biodiversitätsstrategie und der Farm-to-Fork-Strategie (Vom Hof auf den Tisch) um.

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