EU-Forstpolitik

Pakt gegen EU-Waldstrategie

Josef Koch
Josef Koch
am Dienstag, 05.10.2021 - 12:21

Fünf waldreiche EU-Länder, darunter Österreich und Deutschland, fordern Korrekturen an der geplanten EU-Waldstrategie. Heftige Kritik kommt aus den grünen Lager.

Köstinger-Klöckner-Wien

Gemeinsam mit fünf waldreichen EU-Mitgliedsstaaten – Österreich, Frankreich, Slowakei, Finnland, Schweden – hat Bundeswaldministerin Julia Klöckner eine Erklärung in Wien anlässlich der internationalen Forstministerkonferenz unterzeichnet. Anlass sind aktuelle Vorschläge der EU-Kommission zur Waldstrategie der EU für 2030, die Planungshoheit für Wälder zu übernehmen und zentral verbindliche Vorgaben für die Mitgliedstaaten vorzusehen. Dieser Ansatz lehnen die Unterzeichner entschieden ab.

Laut Klöckner ist es notwendig, die regionale Forstkompetenz und damit eine aktive nachhaltige Waldbewirtschaftung weiter zu stärken. Hier wollen die Waldminister Europas grenzüberschreitend Führung übernehmen. Sie wehren sich gegen einen "bürokratischen Blätterwald" aus Brüssel. Nach deren Meinung schadet es der Akzeptanz und vor allem den Wäldern, wenn in der EU-Waldstrategie über die Köpfe der lokalen Fachleute hinweg entschieden werden soll.

Die drei Hauptforderungen der Ministerinnen und Minister umfassen:

  1. Stärkung der nachhaltigen und multifunktionalen Waldbewirtschaftung.
  2. Stärkung der Praktiker: Wissen und Expertise der lokalen und regionalen Forstfachleute abfragen und nutzen.
  3. Stärkung der Zusammenarbeit: Förderung von Kooperation und Koordination zwischen, sowie gemeinsamer Aktivitäten von EU-Mitgliedsstaaten.

Waldbesitzer wollen keine neuen Flächen stilllegen

Die Verbandsspitzen der europäischen Waldbesitzer (CEPF) haben bei ihrem Treffen in Wien ebenfalls die EU-Waldstrategie 2030" heftig kritisiert.  In ihrer Deklaration bemängeln die europäischen Verbände, die Strategie ignoriere die Erfolge der nachhaltigen Forstwirtschaft und greife radikal in die nationalen Gesetzgebungen und regionalen Gegebenheiten ein.

„Die EU-Forststrategie wird nur Erfolg haben, wenn sie sich mit den Maßnahmen für den Klimaschutz und die Energiewende wirksam verzahnt“, sagte Dr. Ivo von Trotha, AGDW – Präsidiumsmitglied und CEPF-Vizepräsident. „Daher müssen die Waldbesitzer in die Verhandlungen einbezogen werden.“

Laut CEPF muss die nachhaltige Waldbewirtschaftung mit ihrem Beitrag zum Klimaschutz in den Mittelpunkt einer jeden Forststrategie rücken“, forderte der CEPF-Vizepräsident. „Dazu zählt eine klare Absage zu weiteren Flächenstilllegungen.“

Grüne kritisieren Klöckner rund Köstinger

Thomas Waitz, EU-Abgeordneter der Grünen und Ko-Vorsitzender der Europäischen Grünen Partei, befürwortet indes eine starke, paneuropäische Waldstrategie. Aufgrund von ausbeuterischem Missmanagement einiger Mitgliedstaaten wie Rumänien, Polen oder Kroatien und der Entwicklung hin zur reinen Industriebewirtschaftung mit Großerntemaschinen, ist laut Waitz der Handlungsbedarf groß.

"Wir brauchen ein festes Bekenntnis zu ökologischen Mindeststandards in allen Mitgliedsstaaten. Leider ist davon in Österreich noch nicht viel zu spüren," so der EU-Abgeordnete.  Österreichs Agrarministerin  Köstinger (ÖVP) spreche mit Holzindustrieländern wie Finnland und Deutschland sowie industriell-adeligen Großwaldbesitzern wie Montecuccoli, Schwarzenberg und Prinz von Croÿ, die jeweils tausende Hektar Wald bewirtschaften, kritisiert Waitz. 

Er wirft Köstinger vor, einseitiges Lobbying zu betreiben. Sie erkenne den Wert von Wald nur im Rohstoff von Holz und lasse seine Rolle im Kampf gegen die Klimakrise völlig außer Acht. Zudem verteidige sie mit ihrer mittlerweile abgewählten deutschen Kollegin Klöckner (CDU) eine völlig absurde Kahlschlagwirtschaft, sagt der grüne EU-Abgeordnete.

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