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Ökolandbau

Ökolandbau ohne festes Ausbauziel

Josef koch
Josef Koch
am Freitag, 01.04.2022 - 08:47

Der EU-Agrarausschuss hält im Gegensatz zur EU-Kommission nichts von konkreten Zielvorgaben für den Ausbau des Ökolandbaus.

Hackstriegel_Getreide_Ökolandbau

In ihrer Resolution zum Aktionsplan Ökolandbau der EU-Kommission sprechen sich die EU-Abgeordneten zwar für den Ausbau der ökologischen Landwirtschaft aus, lehnen aber konkrete Zielvorgaben. Anfang Mai soll das Plenum des Parlaments über die Resolution abstimmen, die der EU-Agrarausschuss am Donnerstag (31.3.) verabschiedete.

Die Kommission hatte sich bis 2030 einen Anteil von 25 % Ökolandbau als Ziel gesetzt. Im EU-Schnitt beträgt der Anteil knapp 9%, Österreich hat dagegen schon 25 % erreicht, Deutschland und Bayern sind davon noch weit entfernt. Die bayerische EU-Abgeordnete Marlene Mortler (CSU) hält es für die richtige Entscheidung, die ökologisch bewirtschafteten landwirtschaftlichen Flächen in der EU bis 2030 nach dem Prinzip Angebot und Nachfrage zu vergrößern. „Erzeugung und Verbrauch müssen Hand-in-Hand gehen. Stur Zahlen vorzugeben, wäre der falsche Weg gewesen“, so Mortler.

 

Mortler: Schrittmacher nicht bestrafen

Nach Mortlers Ansicht muss man die unterschiedlichen Anteile der landwirtschaftlichen Öko-Flächen bei den Maßnahmen und Instrumenten zur Förderung des ökologischen Landbaus berücksichtigen. Das sei vor allem auch für Bayern als Vorreiter des Ökolandbaus wichtig. „Diese Schrittmacher dürfen wir nicht bestrafen“, verlangt sie.

Das EU-Parlament setzt auf Forschung und Innovation, um den ökologischen Landbau zu fördern und robuste landwirtschaftliche Systeme weiterzuentwickeln. Es verlangt von der Kommission, hierfür ausreichend Finanzmittel zur Verfügung stellen. Zudem sollte jeder Mitgliedstaat, jedes Bundesland regionale Biolebensmittel in den eigenen Einrichtungen regelmäßig anbieten, so die EU-Abgeordnete.

Das Parlament sprach sich für eine Folgenschätzung, fünf Jahre nach der Umsetzung der neuen Verordnung aus, um gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen. 

Vier Säulen für Aktonsplan nötig

Die Chefverhandlerin des Europaparlaments für den Bio-Aktionsplan, Simone Schmiedtbauer (ÖVP) nannte vier Säulen des Aktionsplans: Den Bio-Konsum fördern, kurze, regionale und saisonale Lieferketten ausbauen. Zudem hält sie es für wichtig, regionale und lokale Ebenen einzubinden.

„Die dortigen Vertreter wissen oft am besten, wo der Schuh drückt und wo man zum Ausbau des Bio-Sektors ansetzen kann – sei es in den Schulen und Kindergärten, bei der Zusammenarbeit der Landwirte miteinander und mit den Konsumenten, bei grünem Beschaffungswesen etwa in Kantinen oder in anderen Bereichen“, so die Österreicherin. Zudem muss der EU-Bio-Aktionsplan von einer starken Forschungs-, Innovations- und Digitalpolitik flankiert werden. Smart Farming und Bio-Landwirtschaft müssen ihrer Ansicht nach Hand in Hand gehen.

 

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