Gutachten

Ökolandbau: FiBL-Studie irritiert grüne Politiker

Josef Koch Redakteur Agrarpolitik
Josef Koch
am Mittwoch, 08.04.2020 - 12:45

Die jüngste FiBL-Studie wühlt die Gemüter von Ökobauern und grünen Abgeordneten auf. Sie finden die Schlussfolgerungen der Experten falsch.

Häusling-Martin-EU-Parlament

Die aktuelle FiBL-Studie zu den Entwickungsperspektiven des Ökolandbaus sorgt bei grünen Agrarpolitikern und Biobauern für erhebliche Irritationen. Das Wochenblatt hat über die Studie berichtet.

"Es irritiert, dass die Autoren der aktuellen Studie den Bedarf zur Weiterentwicklung des Ökolandbaus zwar richtig benennen, sich dann aber überwiegend mit Fragen zu konventionellen Technologien wie Züchtung oder  Düngung beschäftigen und dem Ökolandbau quasi eine technologiefeindliche Verbotshaltung ohne ausreichende „fallweise Beurteilung“ attestieren."

Zu diesem Schluss kommen Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europaparlament und Biobauer; Sarah Wiener, Starköchin, Mitglied im Europaparlament und Mitinhaberin eines Biobetriebes in Brandenburg sowie Gisela Sengl, agrarpolitische Sprecherin der Grünen im Bayerischen Landtag und Biobäuerin, in einem Pressestatement.

Nach deren Auffassung werden Neuerungen in Produktion und Verarbeitung sehr wohl seit Jahren „fallweise“ von Experten des internationalen Verbands IFOAM und auch für Europa von einem fachlichen Gremium auf EU-Ebene (Expert Group for Technical Advice on Organic Farming Practice, EGTOP), als auch von den einzelnen Bioverbänden sorgfältig daraufhin geprüft, ob sie nach aktuellem Wissen nachhaltig sind und mit den Prinzipien des Ökolandbaus übereinstimmen.

Konventionelle Bauern müssen von Ökolandbau lernen

Wiener_Sarah_EU_Parlament

Gerade bei neuen Technologien sei es sicher nicht die Frage, ob der Ökolandbau vom konventionellen lernen könne, sondern umgekehrt. Im konventionellen Bereich fehle eine wirkliche Überprüfung von Techniken und Hilfsmitteln auf Nachhaltigkeit nach wie vor, so die grünen Agrarpolitiker.

Dass die Prinzipien des Ökolandbaus nicht nur Pionierideen sind, sondern sich weltweit immer wieder als fachlich gut begründet erweisen, was die Nachhaltigkeitsperformance angeht, belegen ebenfalls viele internationale Studien und Versuchsauswertungen, heißt es in einer Presseerklärung.

Sehr verwundert sind die grünen Abgeordneten, dass für die Weiterentwicklung des Ökolandbaus die wirklich innovativen Techniken, die Entwicklungspotential bieten, wie Permakulturtechniken und Agroforstsysteme, in der ganzen Studie nicht einmal erwähnt werden. "Gerade diese Techniken bieten doch große Vorteile für die Klimaanpassung, den Nährstoffhaushalt, die Implementierung von Artenvielfalt und die Ertragsleistung."

Integrierter Landbau kann nur Übergang sein

Sengl_Gisela_MdL

Das Fazit der Studie, für den konventionellen Anbau mit einem System „Integriert plus (IP+)“ zu einer deutlichen Ökologisierung zu kommen, halten Häusling, Wiener und Sengl nicht für überzeugend.

"Eine besondere Förderung des Prinzips „Integrierter Landbau“ , gleichwertig zum Ökolandbau, sei es nun mit oder ohne Plus, wie im Fazit empfohlen, ist daher keine gut begründbare Option und kann höchstens eine Übergangsvariante hin zu einer wirklichen Ökologisierung darstellen", lautet das Fazit der Abgeordneten.

Der sogenannte „Integrierte Landbau“ ist laut Rahmenrichtlinie zur nachhaltigen Verwendung von Pestiziden seit vielen Jahren europaweit gesetzliche Grundlage für den konventionellen Landbau und gehört nach § 2a des Pflanzenschutzgesetzes in Deutschland zur „guten fachlichen Praxis“. Er werde aber dennoch nicht umgesetzt, sind sich Häusling, Wiener und Sengl einig. Es zeige sich seit langem, dass vor dem Hintergrund globalisierter Marktbedingungen eher der Sicherung der Ernte mittels prophylaktischem Pestizideinsatz der Vorzug gegeben werde, als dem abwägenden Schadschwellenprinzip, das sehr beobachtungsintensiv ist.