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Ökologischer Landbau

Ökolandbau: Droht ein Verramschen von Bioprodukten?

Josef koch
Josef Koch
am Freitag, 18.02.2022 - 08:21

DBV-Ökobeauftragter Henrik Wendorff dämpft Euphorie in der Biobranche. Gründe sind Absatzschwierigkeiten und schlechtere Agrarförderung.

Gemüseregal-Discounter

Der Öko-Beauftragte des Deutschen Bauernverbands, Henrik Wendorff, warnt vor einem Verramschen von Biolebensmitteln in Supermärkten. Anlass für diese Warnung sind für den Brandenburger Landesbauernpräsidenten die Zahlen der großen Ketten des Lebensmitteleinzelhandels, die ihr Biosortiment im Markt aufgrund der sprunghaft gestiegenen Nachfrage während der Corona-Pandemie deutlich erweitert haben und Bioprodukte aus Europa und der Welt zu weitaus günstigeren Preisen als im Bio-Fachhandel anbieten.

„Mit dieser Angleichung eines einst berechtigt hochpreisigen Bioprodukts an die gängigen Lebensmittelpreise geht jedoch die Gefahr des Verramschens einher“, so Wendorff. Immerhin beträgt der Anteil der Einkaufsstätten des konventionellen Lebensmitteleinzelhandels am Biomarkt nunmehr 62 Prozent. Damit relativiert Wendorff die derzeit herrschende Euphorie der Biobranche angesichts der seit 2020 anhaltenden Rekordumsätze.
 

Viel Importware in den Regalen

Wendorff-Henrik-LBV-Präsident Brandenburg

Seiner Meinung nach können hochgesteckte Ziele für den Ökolandbau können nur erreicht werden, wenn ökologische und ökonomische Abwägungen zusammen gingen. Sollen 20 Prozent oder bundesweit 30 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche ökologisch bewirtschaftet werden, erwartet er einen angemessenen Anteil an Lebensmitteln, die auf diesen Flächen erzeugt werden, auch im täglichen Lebensmittelangebot.

Beispielsweise ist das in Brandenburger Supermärkten nur bedingt der Fall, wie eine Stippvisite im Obst- und Gemüseregal der Discounter zeige, so der Ökolandwirt. Selbst heimische Freilandkulturen wie Kohl, Zwiebeln, Möhren sind Importware. Brandenburger Ökolandwirte berichteten im vergangenen Jahr verstärkt, dass ihnen die Vermarktung ihrer Feldfrüchte zu Öko-Konditionen Schwierigkeiten bereitete und sie für ihre Ware teilweise konventionelles Preisniveau akzeptieren mussten. „Ein erfolgreicher Ökolandbau fängt jedoch bei der Prosperität der Erzeuger durch Absatzsicherheit ihrer Produkte vor dem Hoftor an“, betont Henrik Wendorff.

Nachteile bei Agrarförderung ab 2023

Er kritisiert zudem die verschlechterten Förderbedingungen für Ökobauern aufgrund der nationalen Umsetzung der Gemeinsamen Agrarpolitik ab 2023. Für Ökolandwirte drohen „empfindliche Reduzierungen der einkommenswirksamen Basisprämie“. Konventionell und ökologisch wirtschaftende Landwirte unterliegen im kommenden Jahr ohne Unterscheidung den erweiterten Anforderungen an einen „Guten ökologischen Grundzustand der Flächen“ (GLÖZ, „grüne Architektur“), und können bisherige zusätzliche Ökoleistungen wie die freiwillige Stilllegung von Flächen, Pufferstreifen an Gewässern, Blühstreifen nicht mehr zusätzlich geltend machen.

Neben der angemessenen Honorierung der Erzeugnisse aus dem ökologischen Landbau seitens der Märkte bleibt nach Wendorffs Ansicht die öffentliche Förderung jedoch wesentlicher Garant für den wirtschaftlichen Erfolg der ökologisch wirtschaftenden Betriebe. Wege der fehlenden Absatzsicherheit für einen Teil der in Brandenburg ökologisch erzeugten Produkte und der zu erwartenden reduzierten Prämienzahlungen aus der EU-Agrarförderung rät der DBV-Ökobeauftragte zu Vorsicht beim Umstellen auf ökologische Bewirtschaftung umzustellen. „Allein runde Prozentzahlen zu präsentieren, darf hier nicht der Antrieb sein,“ so Wendorff.

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