Landnutzung

Nutzungsänderungen sind viermal größer als erwartet

Josef Koch
Josef Koch
am Montag, 17.05.2021 - 09:55

Ein Drittel der Fläche ist weltweit von Nutzungsänderungen betroffen. Die Entwicklungen sind aber sehr unterschiedlich in den Regionen.

Weltkarte-Landnutzungsänderungen

Das Ausmaß der weltweiten Landnutzungsänderungen ist nach einer Studie von Wissenschaftlern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der Universität Wageningen deutlich größer als bislang angenommen. Wie das KIT mitteilte, waren nach der Auswertung von Satellitendaten und Statistiken der vergangenen 60 Jahre rund 32 % der Fläche von Landnutzungsänderungen betroffen. Dieser Anteil sei etwa viermal so groß wie bisher gedacht. Laut der KIT-Forscherin Karina Winkler zeigten die Landnutzungsänderungen aber nicht überall auf der Welt die gleichen Muster.

Im globalen Norden, zum Beispiel in Europa, den USA und in Russland, seien die Wälder ausgebreitet und die Ackerflächen verkleinert worden. Dagegen seien auf der Südhalbkugel - unter anderem in Brasilien und Indonesien - die Waldareale eingeschränkt worden, während die Acker- und Weideflächen ausgedehnt worden seien. Derweil habe sich die Geschwindigkeit von Landnutzungsänderungen im Laufe der Zeit verändert: Von 1960 bis etwa 2005 habe sich der Landnutzungswandel beschleunigt und danach bis 2019 verlangsamt.

Hat Wirtschaftskrise Nutzungsänderungen gebremst?

„Diese Trendumkehr könnte in Zusammenhang mit einer zunehmenden Bedeutung des globalen Handels für die landwirtschaftliche Produktion und mit der Weltwirtschaftskrise 2007/08 stehen“, so Winkler.

Nach Einschätzung der Wissenschaftler können die neuen Landnutzungsdaten die Grundlage für Klima- und Erdsystemmodelle verbessern und einen Beitrag zu politischen Debatten um Handlungsstrategien für eine nachhaltige Landnutzung in der Zukunft leisten. Die Daten sind frei verfügbar und im Internet einsehbar. Die Studie wurde im Wissenschaftsmagazin „Nature Communications“ veröffentlicht.

Bereits in einem früheren Artikel haben sich Wissenschaftler des KIT zu Landnutzungsänderungen geäußert. In der Farm to Fork-Strategie der Europäischen Union sehen sie die große Gefahr, dass die EU ihre Probleme nur verlagert statt sie zu lösen.

Mit Material von AgE