Nitratbericht 2020

Nitratwerte im Grundwasser sinken leicht ab

Pfahlheim
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Freitag, 10.07.2020 - 14:31

Die Anzahl der Messstellen, bei denen der EU-weite Nitrat-Grenzwert im Grundwasser überschritten wird, ist seit 2016 etwas gesunken.

Alle vier Jahre muss die Bundesregierung gegenüber Brüssel einen Nitratbericht abliefern. Erstellt wird er vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und das Bundesumweltministerium (BMU).

Dies ist zum 30. Juni wieder einmal erfolgt. Der Bericht soll Aufschluss geben über die Umsetzung der Nitrat-Richtlinie, insbesondere über die Ergebnisse der Gewässerüberwachung und über die voraussichtliche Entwicklung der Gewässerbeschaffenheit.

Laut dem Nitratbericht 2020 hat sich der Zustand des Grundwassers in Deutschland leicht verbessert. Die Konzentrationen von Pflanzennährstoffen in den Küsten- und Meeresgewässern von Nord- und Ostsee sind nach Einschätzung des Bundeslandwirtschaftsministeriums aber noch zu hoch.

Bezogen auf verschiedene Bereiche gibt das BMEL folgendes Urteil ab:

Grundwasser: Ein Rückgang um 1,5 % bei den Grenzwertüberschreitungen

An 26,7 Prozent der Messstellen des EU-Nitratmessnetzes lagen die Nitrat-Konzentrationen zwischen 2016 und 2018 im Mittel über dem EU-Nitratgrenzwert von 50 mg/l. Im vorherigen Berichtszeitraum (2012 bis 2015) betrug dieser Anteil noch 28,2 %, so dass im Vergleich eine leichte Verbesserung festzustellen ist.

Insbesondere bei den sehr hoch belasteten Grundwasser-Messstellen verringerten sich die Nitratkonzentrationen teilweise. Trotz der Grenzwertüberschreitung an rund einem Viertel der Messstellen zeigt sich jedoch insgesamt eine positive Entwicklung der Nitratkonzentrationen, da es mehr Messstellen mit einem abnehmenden Trend der Konzentrationen gibt als Messstellen, an denen ein Trend zu zunehmenden Konzentrationen vorhanden ist.

Fließgewässer und Seen: Keine Überschreitung der 50 mg/l

An der Mehrzahl der Messstellen für die Fließgewässer und Seen gingen die Nitratkonzentrationen in den Jahren 2016 bis 2018 – im Vergleich zum ersten Erhebungszeitraum 1991 bis 1994 – zurück.

Die Phosphorkonzentrationen an allen Seen und Fließgewässermessstellen bleiben nahezu konstant. Hier stiegen die Konzentrationen nur minimal an. Allerdings lassen sich bereichsweise nach wie vor Eutrophierungserscheinungen in einigen Oberflächengewässern beobachten – also Nährstoffüberangebot und infolgedessen ein unkontrolliertes Algen- und Pflanzenwachstum vor allem in den Sommermonaten.

Das geht vor allem auf zu hohe Phosphorkonzentrationen zurück. Betrachtet man das Qualitätsziel der Nitratrichtlinie von 50 mg/l Nitrat, so wird dieses an allen untersuchten Fließgewässermessstellen eingehalten.

Küsten- und Meeresgewässer: Höhere Konzentrationen in Küstennähe

Die Küsten- und Meeresgewässer unterliegen trotz reduzierter Nährstoffeinträge einer hohen Eutrophierungsbelastung: Die Nitratkonzentrationen sind küstennah am höchsten und nehmen zur offenen See hin ab, da die Einträge vom Land aus erfolgen und zur See hin verdünnt werden.

Die Bewertung der Messwerte der deutschen Küsten- und Meeresgewässer in Nord- und Ostsee erfolgt im Nitratbericht nach der EU-Nitratrichtlinie sowie der aussagekräftigeren EU-Wasserrahmenrichtlinie und der EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie.

Gesamtbewertung: Grundwasser hat ein langes „Gedächtnis“

Grundwasser hat ein langes „Gedächtnis“ für Belastungen, es fließt langsam und reagiert träge auf Änderungen der Stoffeinträge. Verbesserungen der Grundwasserqualität wirken sich erst später entlastend auf die Qualität der Oberflächengewässer und schließlich auch der Küsten- und Meeresgewässer aus.

Anhand der vorliegenden Messergebnisse (Datenbasis 2016 bis 2018) lässt sich nach Einschätzung des BMEL daher noch nichts über die Wirkungen der Novellierung der Düngeverordnung 2017 und die weitere Änderung 2020 aussagen. Da an einigen hochbelasteten Grundwasser-Messstellen ein leichter Rückgang der Nitratmengen zu verzeichnen ist, sei davon auszugehen, dass sich mit der am 01. Mai 2020 in Kraft getretenen novellierten Düngeverordnung die Situation zukünftig deutlicher verbessern dürfte.

Die Novelle des Wasserhaushaltsgesetzes vom 29. Juni 2020, mit der die Anlage dauerbegrünter Gewässerrandstreifen von fünf Metern Breite ab einer Hangneigung von 5 Prozent verpflichtend vorgeschrieben wird, werde nach Einschätzung des BMEL darüber hinaus zu einer Minderung der erosionsbedingten Nährstoffeinträge in die Oberflächengewässer führen.

Um in kürzeren Zeiträumen die Wirkung der Maßnahmen der neuen Düngeverordnung bewerten zu können, wird ein zusätzliches Monitoringsystem eingerichtet. Erste Ergebnisse sollen im Sommer 2021 vorliegen.

Künftig sollen auch Standortfaktoren Berücksichtigung finden

Mit der Änderung der Düngeverordnung wird jetzt auch das Verfahren zur Ausweisung der belasteten Gebiete vereinheitlicht. Bisher sind die Länder hier unterschiedlich vorgegangen, was zu Wettbewerbsverzerrungen und Ungleichbehandlungen geführt hat. Die Kriterien für diese Vereinheitlichung wurden von einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe erarbeitet und im Entwurf einer Allgemeinen Verwaltungsvorschrift (AVV) festgelegt, der gegenwärtig innerhalb der Bundesregierung abgestimmt wird. Parallel dazu findet die Anhörung der Länder und Verbände statt.

Im Mittelpunkt dieser Regelung sollen qualitative Verbesserungen bei den Grundwassermessstellen durch entsprechende Mindestanforderungen und die verbindliche Festlegung einer Mindestdichte an Messstellen (Vorschlag bisher eine Messstelle pro 50 Quadratkilometer) stehen.

Bei der Abgrenzung der mit Nitrat belasteten Gebiete werden künftig neben dem Nitratgehalt im Grundwasser auch die Emissionen aus der Landwirtschaft und Standortfaktoren, wie die Bodenart, zu berücksichtigen sein. Insgesamt sie die Neuregelung ein wichtiger Schritt für mehr Verursachergerechtigkeit und Nachvollziehbarkeit, so das BMEL.