Wasserqualität

Nitratbericht: DBV sieht Besserungen in allen Bereichen

Abstand
Ulrich Graf Portrait 2019
Ulrich Graf
am Freitag, 10.07.2020 - 15:13

„Wir sehen in Flüssen, Seen, Grundwasser und auch in den Meeren Rückgänge der Nährstoffkonzentrationen", bilanziert DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken.

Den am 9. Juli veröffentlichten Nitratbericht 2020 wertet Bernhard Krüsken als Beleg dafür, dass bei der Gewässer- und Grundwasserqualität Verbesserungen zu sehen sind. Es gebe natürlich noch einige Probleme zu lösen, "aber wir sehen uns auf dem richtigen Weg". Das Narrativ der stetig steigenden Nährstoffbelastung aus der Landwirtschaft sei mit diesem Nitratbericht widerlegt. Vor allem in den Bereichen, wo die Schwellenwerte der Nitratrichtlinie noch überschritten werden, seien deutlich sinkende Nitratkonzentrationen zu beobachten.

Laut Nitratbericht 2020 überschritten deutschlandweit im Zeitraum 2016 bis 2018 knapp 17,3 % der Grundwassermessstellen den Schwellenwert der Nitratrichtlinie von 50 mg Nitrat / l, ein Rückgang um knapp 0,8 Prozentpunkte gegenüber dem letzten Nitratbericht.

Im landwirtschaftlich beeinflussten Teilmessnetz betrug die Überschreitung der 50 mg / l 26,7 % der Grundwassermessstellen, ein Rückgang um 1,5 Prozentpunkte zum vorherigen Betrachtungszeitraum. Während 36,7 % dieser Messstellen rückläufige Nitratkonzentrationen zu verzeichnen hatten, nahm die Konzentration nur an 23,6 % zu (39,7 % stabil).

Während die Grundwassermessstellen unter 50 mg / l keinen Trend aufweisen, nimmt die Nitratkonzentration über 50 mg / l signifikant ab. An allen Fließgewässern wurde das Qualitätsziel für Nitrat eingehalten und für Phosphor werden an knapp 95 % der Messstellen die vier höchsten Güteklassen erreicht, mit 88 % der Messstellen mit weiter abnehmenden Phosphorkonzentrationen.

Der Deutsche Bauernverband fordert trotz der jetzt gemessenen Verbesserungen weiter, dass die Grundwassermessstellen kontinuierlich auf ihre Eignung und Tauglichkeit zur Bewertung des Grundwasserzustandes überprüft werden.

BÖLW fordert flächengebundene Tierhaltung

Nach Ansicht von Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), belastet immer noch zu viel schädliches Nitrat Böden und Gewässer. Als Ursache betrachtet er Betriebe, die zuviel Tiere halten. Das wirksamste Instrument gegen zuviel Dünger im Grundwasser sei die Tierhaltung an die Fläche zu binden.

AbL will Abkehr von der Weltmarktorientierung

Martin Schulz, Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) e.V. greift die erst kürzlich beschlossene Düngeverordnung zu kurz und führe im Berufsstand zu Frust. Um die Ursachen der Nitratbelastung in den Griff zu bekommen, schägt er eine andere Lösung vor. Es brauche eine Abkehr von der auf Export und Import basierenden Weltmarktorientierung. Denn nicht zuletzt der massive Soja-, und damit auch Nährstoffimport, führe hierzulade zu Nährstoffüberschüssen. Alternativ sollte eine lokale Qualitätsproduktion aufgebaut werden, die für Bäuerinnen und Bauern Planungssicherheit und gerechte Preise biete.