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Grundwasser

Nitrat: Messnetze und andere Baustellen

Grünland
Simon Michel-Berger Portrait 2019
Simon Michel-Berger
am Donnerstag, 09.01.2020 - 15:15

Derzeit gibt es kaum eine bäuerliche Kundgebung, auf der nicht Kritik am deutschen Messnetz für Nitrat im Grundwasser geäußert wird.

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Erst kurz vor dem Jahreswechsel sorgte ein Youtube-Video der Qualitätsgemeinschaft für nachhaltige Düngung und Ressourcenschutz für Furore: Die Bundesrepublik habe eines der ungenauesten Messnetze der EU und nur die Werte von Belastungsstellen nach Brüssel gemeldet. Die geforderten Verschärfungen der Düngeverordnung seien auf nicht repräsentative Werte zurückzuführen. Statt zu verschärfen, sollte erst einmal das Messnetz auf den neuesten Stand gebracht werden.

Ich finde die Argumentation nachvollziehbar, die Lösung für die heutigen Probleme der Bauern ist sie aber  nicht: Das Nitratmessnetz, das Grundlage des deutschen Nitratberichts 1996 war, ist nicht mehr das gleiche, das dem jüngsten Bericht von 2016 zugrunde lag. Die Mess­stellen wurden bereits deutlich erweitert. Sicher kann man hier noch besser werden und Ministerpräsident Markus Söder hat ja den Willen zu einer Überarbeitung am Montag erneut bekräftigt. Aber das wird dauern. Außerdem ist die Diskussion um das Messnetz reine Ländersache. Wer sich allein darauf konzentriert, lässt den Bund aus der Verantwortung – und der verhandelt mit Brüssel, nicht die Länder. Schließlich: Dass durch genauere Messungen große Teile der roten Gebiete grün werden, kann man hoffen, aber nicht versprechen. Genauso könnten Teile grüner Gebiete dann rot werden.

Entscheidend ist beim Messnetz die Frage, ob Deutschland durch seine Messungen – die sich auf oberflächennahes Grundwasser konzentrieren – schnell genug erkennen kann, wenn die Nitratwerte besser werden. Wenn es das nicht kann, können es andere EU-Staaten auch nicht. Dann bestünde Handlungsbedarf für die EU-Kommission, die Messungen endlich einheitlich zu regeln.