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Düngung

Niedersachsen legt Nährstoffbericht 2018 vor

Düngung
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Freitag, 26.04.2019 - 13:23

Die Bilanz: Der Nährstoffanfall aus Tierhaltung und Biogasanlagen ist leicht gesunken. Um eine Trendwende zu erreichen, soll volle Transparenz bei den Nährstoffströmen erzielt werden.

In Niedersachsen überschreiten sieben Landkreise im aktuellen Nährstoffbericht die Obergrenze für Stickstoff, sechs für Phosphat (voriger Bericht sieben). Auf Basis der 2017 novellierten Düngeverordnung wurde die Wirtschaftsdüngerbilanz erstellt und am Mittwoch von Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast vorgestellt.

Bei der Präsentation sprach sich die Ministerin dafür aus, die Anstrengungen für den Wasserschutz zu verstärken. Deshalb gelte es jetzt, ganz genau hinzuschauen und Problemfälle zu lokalisieren, um dort gezielt anzusetzen. Zur Ausweisung der nitrat- und phosphatsensiblen Gebiete erklärt die Landwirtschaftsministerin: „Wir haben die Teilwasserkörper bewertet, wo konsequenter Handlungsbedarf besteht. Zwischen den Ressorts Umwelt und Landwirtschaft wurde bereits eine erste Binnendifferenzierung für eine Kulisse von rund 38 Prozent der Landesfläche entwickelt".

Außerdem soll die vorgesehene Datenbank „ENNI" (Elektronische Nährstoffmeldungen Niedersachsen) ans Netz gehen, welche die Düngebedarfsermittlungen und Nährstoffvergleiche flächendeckend erfasst. Zudem können die in ganz Niedersachsen bereits vorhandenen Daten der landwirtschaftlichen Betriebe bei ENNI zusammenfließen.

„Mit diesem niedersächsischen Weg wird eine flächendeckende Transparenz der Nährstoffströme in unserem Bundesland möglich werden, die gezielte Vor-Ort-Kontrollen und gegebenenfalls Sanktionen erlaubt", erklärte Ministerin Barbara Otte-Kinast mit Blick nach Berlin. „Sinkende Tierzahlen geben einen Hinweis darauf, dass auch eine Verringerung der Tierbestände zu einem niedrigen Nährstoffaufkommen beitragen kann. Deshalb wird es künftig wichtig sein, dass der Handel die Tierwohlmaßnahmen entsprechend vergütet, damit wir die Wertschöpfung auf den Höfen halten", erklärte die Ministerin. Wenn zudem die Biogasanlagen in den Überschussgebieten verstärkt Wirtschaftsdünger einsetzen, könnte das Nährstoffaufkommen aus pflanzlichen Substraten nochmals verringert werden.

Erfreulich aus Sicht der Ministerin: Der Bericht zeigt einen deutlichen Rückgang des stickstoffhaltigen Mineraldüngerabsatzes. Ob dazu die Vorgaben der Düngeverordnung oder die extreme Witterung beigetragen haben, steht noch nicht endgültig fest. „Die Düngung muss konsequent am Bedarf der Pflanze ausgerichtet werden. Da benötigen wir maximale Transparenz, die unsere Düngebehörde umsetzt", erklärte Ministerin Barbara Otte-Kinast.

Greenpeace macht Druck

Die Organisation Greenpeace nahm den Bericht als Anlass, eigene Forderungen aufzustellen. Dazu gehören nach Ansicht der Organisation angemessene Obergrenzen für die Düngung in den besonders belasteten Gebieten und strengere Kontrollen. Die politische Verantwortung dafür liege bei Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). Langfristig, so Greenpeace, führe an der Reduktion der Tierzahlen in diesen Regionen kein Weg vorbei.