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Tiertransporte

Neuseeland verbietet Tierexporte per Schiff

Neuseeland-Färsen
Josef koch
Josef Koch
am Montag, 03.10.2022 - 09:00

Verbot greift ab 30. April 2023. Zuchtviehexporte per Flugzeug bleiben erlaubt.

Der Lebendexport von landwirtschaftlichen Nutztieren per Schiff wird in Neuseeland im kommenden Jahr untersagt. Wie das neuseeländische Landwirtschaftsministerium mitteilte, ist ein entsprechendes Gesetz vom Parlament verabschiedet worden.

Ab dem 30. April ist dann nur noch die Lebendausfuhr mit dem Flugzeug erlaubt, wobei dies lediglich im begrenzten Rahmen für Zuchttiere in Anspruch genommen werden dürfte. Laut Landwirtschaftsminister Damien O'Connor sichert diese Entscheidung „unsere wirtschaftliche Sicherheit in einer Zeit, in der die Verbraucher immer genauer auf die Produktionspraktiken achten. Es gelte, den guten Ruf Neuseelands für hohe Tierschutzstandards Rechnung zu tragen.“

Nutzfärsen und -Kühe betoffen

Den Stein ins Rollen für ein solches Verbot brachten mehrfache Tierschutzprobleme auf Transportschiffen und insbesondere der Untergang der „Gulf Livestock 1“ auf dem Weg nach China im Jahr 2020, bei dem 41 Besatzungsmitglieder und fast 6000 Rinder ums Leben kamen.

Es wurde von der Regierung eine Untersuchungskommission eingerichtet, die in ihrem Abschlussbericht vor einem Jahr bereits ein Auslaufen der Lebendexporte empfahl. Betroffen davon sind Färsen und Nutzkühe, die vor allem nach China geliefert werden. Die Lebendausfuhr von Schafen, Ziegen und Schlachtrindern ist bereits ausgesetzt.
 

Minister erwartet keine gravierenden Folgen

O’Connor betonte, dass in den letzten Jahren Tierschutzverbesserungen beim Seetransport erreicht worden seien, doch würden die langen Reisezeiten zu den Märkten der nördlichen Hemisphäre immer eine Herausforderung bleiben. „Die Auswirkungen des Exportverbots werden im Vergleich zu den Gesamtausfuhren des Primärsektors gering sein“, erklärte O`Connor. Im vergangenen Jahr seien 134.720 Rinder auf dem Seeweg ausgeführt worden; die dabei erzielten Einnahmen hätten sich auf etwa 0,6 % der gesamten Exporterlöse des Sektors belaufen.

Das Verbot wurde von der Grünen Partei und Tierschützern begrüßt. „Dies hätte aber früher kommen sollen", so die tierschutzpolitische Sprecherin der Grünen, Chlöe Swarbrick. Die oppositionelle Nationalpartei lehnte das Gesetz hingegen ab und bezeichnete es als „unverhältnismäßige" und „ideologische" Reaktion auf den tragischen Untergang der Gulf Livestock 1. Die Partei befürchtet, dass die Beendigung des Lebendexports die Branche bis zu 472 Mio NZ$ (280 Mio Euro) kosten könnte.

Mit Material von AgE
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