Gemeinsame Agrarpolitik

Naturschutzamt gibt Empfehlungsliste zur GAP heraus

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Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Mittwoch, 12.08.2020 - 16:24

Das Bundesamt für Naturschutz hat sich mit einem eigenen Forderungskatalog zur Ausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik gemeldet.

Seine Empfehlungen leitet das Amt aus zwei Studien zur Wirksamkeit von Ökologischen Vorrangflächen ab. Sie stammen vom Institut für Agrarökologie und Biodiversität (IFAB) und vom Thünen Institut. Beide Forschungsprojekte hatte das Bundesamtes für Naturschutz (BfN) in Auftrag gegeben.

Im Ergebnis würden diese seit 2015 durchgeführten Untersuchungen zeigen, dass die Ökologischen Vorrangflächen in der bisherigen Form keinen Mehrwert für die biologische Vielfalt in Agrarlandschaften erbracht hätten, so die Einschätzung des BfN. Die Behörde leitet daraus folgende Empfehlungen ab:

  1. Deutlich positive Effekte für die Artenvielfalt werden erst ab einem Anteil von mindestens zehn Prozent hochwertiger ÖVF wie Brache- und Blühflächen, Pufferstreifen und Landschaftselemente erreicht; derzeit liegt zum Beispiel der Anteil der Brachen am Ackerland lediglich bei rund drei Prozent. 
  2. Für Arten der Offenlandschaft wie der Feldlerche bedarf es zusätzlich sogenannter incrop-Maßnahmen, das heißt produktionsintegrierter Maßnahmen wie dem Anbau von Getreide mit doppeltem Saatreihenabstand ohne Pestizid-Einsatz und mit reduzierter Düngung.
  3. Analog zum Ackerland bedarf es im Grünland hochwertiger ÖVF. Eine Bewirtschaftungsruhe von mindestens acht Wochen im Frühjahr / Frühsommer sollte auf einem Mindestanteil des Grünlandes eingehalten werden, um zum Beispiel Bodenbrütern die erfolgreiche Fortpflanzung zu ermöglichen.
  4. Für viele Arten ist die Über- oder Mehrjährigkeit der Maßnahmen wichtig: So sollten angelegte Blühflächen unbedingt über den Winter bis in den Folgesommer bestehen, damit Tiere dort überwintern können und im Frühjahr Nist- und Brutmöglichkeiten vorfinden.
  5. Die ökologische Wirksamkeit von ÖVF wird auch durch Verwaltungsvorgaben beeinflusst: So sollten administrative Mindestvorgaben wie zum Beispiel das jährliche Mulchen der kompletten Brachflächen gestrichen und die Kombination von ÖVF mit Qualifizierungsmaßnahmen der zweiten Säule der GAP für die Landwirtinnen und Landwirte erleichtert werden.
  6. Die Bereitschaft der Landwirtinnen und Landwirte zur Umsetzung von mehrjährigen und lagetreuen Brachen sollte durch den Abbau bürokratischer Hemmnisse erhöht werden. Mehrjährige und lagetreue Brachen sind von herausragender Bedeutung für den Erhalt der Biodiversität in Ackerbaulandschaften.