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Klimaschutz

Moorschutz: Özdemir will Bauern mitnehmen

Josef koch
Josef Koch
am Mittwoch, 13.07.2022 - 11:50

Bundesagrarminister kündigt bei Fachtagung an, finanzielle Anreize für Bauern zu schaffen.

Özdemir-Moorschutz

Nicht ohne die Bauern will Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir beim Moorschutz vorgehen. Er wolle die Landwirte als Partner gewinnen, die Herausforderung des Moorschutzes gemeinsam zu meistern, sagte der Grünen-Politiker bei der Fachtagung „Zukunft Moor“, die das Landvolk Niedersachsen und der Bremische Landwirtschaftsverband am Dienstag (12.7.) in Bremen durchgeführt haben.

Allein für die Umsetzung der von Bund und Ländern beschlossenen Zielvereinbarung Moorbodenschutz sei die Wiedervernässung von bis zu 250 000 ha notwendig. „Eine solche Transformation kann nur mit den Betroffenen in den Regionen und mit entsprechenden Anreizen gelingen“, stellte Özdemir fest.

Özdemir ist offen für kluge Nutzungskonzepte

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Özdemir betonte bei der Tagung, dass für anstehenden Aufgaben „anstrengende Entscheidungen“ nötig seien, die Verständnis und Akzeptanz der Betroffenen erforderten. Neben renaturierten Mooren brauche man kluge Nutzungskonzepte durch Teilvernässung oder Anhebung der Wasserstände. Dabei böten Paludikulturen und Agri-Photovoltaik besondere Chancen. Dabei helfe, dass die Förderung der Agri-PV im Osterpaket für erneuerbare Energien deutlich verbessert worden sei.

„Indem wir klimafreundliches Wirtschaften honorieren, geben wir der Kohlenstoffbindung einen Wert“, so der Agrarminister. Getreu dem Motto „öffentliches Geld für öffentliche Leistungen“ unterstütze der Bund Landwirtinnen und Landwirte dabei, den natürlichen Klimaschutz in unseren Mooren nutzungsorientiert voranzubringen. Beim aktuellen Klimaschutzprogramm vermisst der Deutsche Bauernverband indes eine Initiative für die Honorierung von Kohlenstoffsenken (Carbon Farming).

Irritiert zeigten sich einige Teilnehmer n den sozialen Netzwerken, dass Özdemir bei der Diskussionsrund nicht mehr dabei war, um die Sorgen der Landwirte anzuhören. Zudem berichteten sie, dass der Bund zwar zunächst auf Freiwilligkeit setze, aber später auf Ordnungsrecht.

Vier Milliarden Euro bis 2026 eingeplant

Der grüne Politiker verwies auf den Handlungsdruck im Moorschutz als einen Kernbereich des natürlichen Klimaschutzes. So setzten entwässerte Moore mehr als 7 % aller Treibhausgasemissionen in Deutschland frei.

„Wirksamer Klima- und Naturschutz steht und fällt mit seiner Finanzierung“, so Özdemir. Er nannte das mit 4 Mrd. € bis 2026 ausgestattete Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) mit dem Moorbodenschutz als wesentliches Element. Zur Finanzierung des im vergangenen Herbst auf den Weg gebrachten Bundesprogramms Klimaschutz durch Moorbodenschutz stünden bis 2025 insgesamt 330 Mio. € aus dem Energie- und Klimafonds zur Verfügung.

Bayern hat bereits beim Abschluss der Vereinbarung Im Herbst 2021 vom Bund eine tatkräftige finanzielle Unterstützung gefordert. 

Bauernverband verlangt Machbarkeitsstudien

Holger Hennies, Viezepräsident des Deutschen Bauernverbands (DBV), mahnte eine „frühzeitige und ehrliche Kommunikation auf wissenschaftlich-abgesicherter Basis“ für die Zukunft der Moore an. Hierzu müssten mit höchster Priorität zunächst Fachleute der Wasserwirtschaft „Machbarkeitsstudien“ erstellen, wo unter heutigen Bedingungen trotz dichter Besiedlung, abnehmenden Sommerniederschlägen und intensiver Nutzung eine Grundwasserstandsanhebung überhaupt möglich wäre.

„Anschließend müssen die Ergebnisse vor Ort mit den Betroffenen erörtert und die Belange der Region sowie der Bevölkerung berücksichtigt werden“, bekräftigte Hennies in Bremen.

Hennies: Ausgleich für Wertverluste nötig

Für einen fairen Ausgleich der Betroffenen ist laut Bauernpräsident auch der Wertverlust der festverbundenen Infrastruktur wie Hofgebäude einzubeziehen, sofern die bisherigen wirtschaftlichen Nutzungsmöglichkeiten durch die Veränderungen in der Flächennutzung im Vergleich zur bisherigen Entwässerung eingeschränkt werden oder verloren gehen.

Grundvoraussetzung für die Berufsvertretung bleibt aber das das Prinzip der Freiwilligkeit für die konstruktive Zusammen- und Mitarbeit aller Betroffenen.

Mit Material von AgE
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