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Saisonarbeit

Mindestlohn: Ampelregierung verunsichert Landwirte

Josef koch
Josef Koch
am Donnerstag, 13.01.2022 - 11:19

Arbeitgeberverband bemängelt fehlende Planungssicherheit für Betriebe und sieht Wettbewerbsnachteile.

Saisonkräfte-Saisonarbeit

Der von der Ampelregierung geplante Mindestlohn von 12 Euro pro Stunde verunsichert nach Auffassung des Gesamtverbands der deutschen Land- und Forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände (GLFA) viele Landwirte. So greife die Regierung nicht nur in die grundgesetzlich geschützte Tarifautonomie ein, sondern nehme den Unternehmen auch die dringend notwendige Planungssicherheit, erklärte GLFA-Hauptgeschäftsführerin Nicole Spieß gegenüber Nachrichtendienst Agra-Europe.

Laut Spieß konnten die Unternehmen bislang auf halbwegs gesicherter Grundlage agieren, da die Mindestlohnkommission ihre Entscheidungen frühzeitig und orientiert an der durchschnittlichen Entwicklung der Tariflöhne trifft. So habe das Gremium zuletzt im Juni 2020 die Mindestlohnanpassung für die nächsten beiden Jahre vorgeschlagen. Danach stieg der Mindestlohn zum 1. Januar 2022 auf 9,82 Euro, zum 1. Juli 2022 erhöht er sich auf 10,45 Euro pro Stunde. Die Unternehmen hätten auf Basis dieses Vorschlags ihre Kostenkalkulationen für 2022 vorgenommen.
 

Bis zu 22% höhere Kosten

Der Hauptgeschäftsführerin zufolge würde die nun geplante Anhebung des Mindestlohns auf 12 Euro im Jahr 2022 im ersten Halbjahr eine zusätzliche Steigerung der Lohnkosten von mehr als 22 % bedeuten, im zweiten Halbjahr von immer noch knapp 15 %. „Gerade im handarbeitsintensiven Anbau von Sonderkulturen, bei dem die Lohnkosten bis zu 60 % der Produktionskosten ausmachen, würde dies zu deutlichen Verwerfungen führen“, warnte Spieß.

Daneben sind die betroffenen Betriebe sehr besorgt, ob ihre Erzeugnisse nach den geplanten Lohnkostenerhöhungen im Wettbewerb mit günstigerer Ware aus dem Ausland bestehen könnten. Bereits die vergangenen Jahre seit Einführen des gesetzlichen Mindestlohns hätten gezeigt, dass in Deutschland vor allem der Anbau besonders handarbeitsintensiver Kulturen an Bedeutung verliere, da diese im Wettbewerb mit Ware nicht bestehen könnten, die im Ausland erzeugt wurden.

„Will der Gesetzgeber das breite Angebot heimisch produzierter Lebensmittel erhalten, muss er diese Konsequenzen der Mindestlohnerhöhung mitbedenken und Maßnahmen entwickeln, wie die zusätzlichen Kosten ausgeglichen werden können“, fordert die GLFA-Vertreterin.

Mit Material von AgE
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