Milchpolitik

Milchpreis: Scharfe Kritik an Klöckners Milchpolitik

Josef Koch
Josef Koch
am Freitag, 14.08.2020 - 11:20

Dr. Kirsten Tackmann, Die Linke, hält die Milchpolitik der Bundesregierung für zynisch. Sie sagt, warum.

Tackmann-Kirsten-Die Linke

Die deutliche Lücke zwischen Kosten und Vergütung der Milcherzeugung ist laut Dr. Kirsten Tackmann, Agrarsprecherin der Bundestagsfraktion Die Linke, auch eine Folge von Marktversagen und der strukturellen Übermacht insbesondere durch Supermarktkonzerne.

"Dass die Bundesregierung dennoch keinen Handlungsbedarf sieht, ist zynisch, denn das begrenzt Verbesserungen bei den Haltungsbedingungen und anständige Bezahlung der Arbeit. Statt durch Untätigkeit braucht es gerade in der EU-Ratspräsidentschaft kurzfristig Initiativen Deutschlands für ein möglichst EU-weites solidarisches System der Milchmengenregulierung", kommentiert Dr. Kirsten Tackmann, agrarpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Die Linke, die Antwort der Bundesregierung auf ihre Schriftliche Frage 8/043.

Eine erneute Milchpreiskrise würde weitere Arbeitsplätze in den ländlichen Räumen kosten und das für biologische Vielfalt und den Klimaschutz so wichtige Grünland gefährden. Dieses soziale und ökologische Versagen der Bundesregierung sie inakzeptabel", so Tackmann. 

Der Milchmarkt steht nach Tackmanns Meinung weiterhin unter massivem Druck und verschärft die Notlage vieler Milchviehhaltungen. So erhielten die Landwirte im April 2020 im Durchschnitt etwa 32,7 cent/kg. Damit fehlen laut einer Studie des Büros für Agrarsoziologie (BAL) pro Liter Milch etwa 14 cent, um die Erzeugungskosten zu decken. Die MEG Milch Board beauftragt die BAL, um regelmäßig für jedes Quartal die Milcherzeugungskosten zu ermitteln.  

"Wenn die Bundesregierung ihre Verantwortung zur Regulierung nicht wahrnimmt opfert sie die Milchviehhaltung in unserem Land auf dem Altar der Dumpingpreise. Das ist sozialer, ökologischer und ökonomischer Irrsinn", kritisiert die Bundestagsabgeordnete.

DIE LINKE fordert eine strategische Neuausrichtung der Lieferkette beim Lebensmittel Milch auf Versorgungssicherung mit regionaler Wertschöpfung und stabilen, kooperativen Wirtschaftskreisläufen. Dafür wird laut Tackmann auch eine solidarische, nachfrageorientierte Milchmengensteuerung gebraucht.

Die Stärkung der Betriebe vor Ort und ihr Schutz vor erpresserischen Dumpingpreisen brauche ein gemeinwohlorientiertes Kartellrecht, das oligopolische Strukturen in der Verarbeitung und Vermarktung unterbinde, fordert die Agrarsprecherin der Linken.